Direkt zum Hauptbereich

Alter Orient III - Grenzstreit zwischen Lagaš und Umma


Wir befinden uns wieder im Lande "Sumer" zu frühdynastischer Zeit...

Es handelt sich um den ältesten, uns bekannten Vertrag (um 2470 v.u.Z.) zwischen Eannatum von Lagaš und Enakalle von Umma. Es geht um das Gebiet "Gu-eden-ak" ("Rand der Steppe"). Die Quellen sind jedoch vorrangig aus Lagaš.




"Guedenak" ist ein Gerstenanbaugebiet zwischen Lagaš und Umma. Es wird durch einen Bewässerungsgraben vom Euphrat aus bewässert, welcher aber durch das Gebeit von Umma verläuft.

"(Gott) Enlil hatte einst für (Gott) Ningirsu von Lagaš und (Gott) Šara von Umma die Grenze festgelegt ..."
Mesalim von Kiš (~2600 v.u.Z.) hatte die Grenze vermessen und eine (Grenz-)Stele gesetzt.

Der Regent Uš (oder Giš) von Umma eignete sich das Gebiet Guedenak an und versetzte die Grenzstele in das Gebiet von Lagaš. Da Regent Urnanšek (Ur-Nanše, um 2520 v.u.Z.) von Lagaš sich noch mit einem Sieg über Umma rühmte, regierte Uš demnach wohl in der Zeit von Akurgal (Aja-kurgal, 2490 v.u.Z.), dem Nachfolger von Ur-Nanše. Akurgal´s Sohn Eannatum besiegt dann Umma in einem Feldzug (2470 v.u.Z.) und gewann Guedenak ("für sich und (Gott) Ningirsu") zurück. Er schloß einen Vertrag mit Enakalle von Umma und die ursprüngliche Grenze wurde neu festgelegt. Eventuell wurde Umma dadurch von Lagaš abhängig, denn Eannatum fordert (anscheinend) eine (einmalige?) Tributzahlungen (von Gerste) von Umma, als Ausgleich für die (Mit-)Nutzung von Guedenak.
Dadurch entstand im Jahre 2430 v.u.Z. ein neuer Konflikt, der durch Eannatum´s jüngeren Bruder (und Nachfolger) Enannatum I (von Lagaš) und Urlummak (Sohn von Enakalle von Umma) ausgetragen wurde. Urlumak weigerte sich die Gerste zu liefern und entzog zusätzlich dem Bewässerungsgraben das Wasser (oder beging Übergriffe auf diesen). Er wurde daraufhin von Enannatum I gemahnt, erhob aber weiterhin Anspruch auf Guedenak und fiel mit einem Herr in Lagaš ein, wurde aber wieder zurück gedrängt.
Urlummak´s Nachfolger Il (eventuell Usurpator) lieferte wohl nur einen Teil der geschuldeten Gerste, bzw. schädigte den Gerstenertrag von Lagaš und beging weitere Übergriffe auf den Bewässerungsgraben. Die Regenten von Umma erscheinen (trotz Divergenzen im Detail) in den Texten aus Lagaš i.d.R. als skrupellose Aggressoren.

Im eigentlichen Vertrag von Eannatum erfolgte als erstes eine Eidleistung auf die Götter Enlil, Ninhursag, Enki, Suen, Utu und Ninlil. Der Regent von Umma sprach eine Selbstverfluchung aus, wonach im Falle einer Vertragsverletzung von Seitens Umma eine göttliche Strafe zu erwarten ist ("Schlange aus der Erde, die an Umma die Strafe vollziehe"). Eannatum sendete magisch präparierte Tauben als Boten zu den Kulturorten der Eidgottheiten, um diese über den Abschluss des Vertrages zu unterrichten und sie durch die Übermittlung des Fluches gegen Umma, für den Fall einer Vertragsverletzung, als Hüter der Eide zu verpflichten. Desweiteren wurde außerdem ein Streifen "Niemandsland" eingeführt.

Die Nutzniesung am "Felde von Ningirsu" (durch Umma) stellt sich aber eigentlich als eine Art "Bewässerungsgebühr" (von Lagaš) für die Aufrechterhaltung der Wasserzufuhr (duch Umma). Das heißt: Lagaš führte (regelmäßig) Gerste an Umma ab, damit Umma die Wasserzufuhr gewährleistet.
Dementsprechend, ist nach erneuten Ausbruch des Konfliktes unter Enannatum I und Urlummak, die erste feindliche Maßnahme Ummas, ein Angriff auf den Bewässerungsgraben. Gleiches gilt dannach auch für Il von Umma.
Erst nachdem Enannatum I. (oder sein Nachfolger En-metena) mit Verhandlungen scheiterte, wurde ein Bewässerungsgraben vom Tigris her geschaffen, dessen Wasserzufuhr von Umma nun nicht kontrolliert werden konnte.

Die Nutznießung Ummas an Gerste dauerte 40 Jahre (Anfang Eannatum bis Ende Enannatum I). Dannach sah Lagaš die Lieferung seiner Schuldverpflichtung als erfüllt an und setzte sie aus. Daraufhin erst, lies Urlummak von Umma dem Bewässerungsgraben das Wasser ausgehen. Urlummak scheint eine Fortsetzung der Lieferung verlangt zu haben, hat aber auf Grund der Verweigerung durch Lagaš die Konsequenzen gezogen. Daraufhin bot Enannatum I gezwungener Maßen eine Verlängerung der Gerstenlieferung an, welche nun aber von Urlummak abgelehnt wurde.
Urlummak zerstört nun die Grenzstele und zieht bis Antasura (Gebiet von Lagaš) vor. Jedoch wurde sein Anspruch auf Guedenak abgewiesen. Enannatum I und Sohn En-metana (Entemenak) besiegen daraufhin Urlummak. Enannatum I und Urlummak scheinen dabei jedoch im Kampf gefallen zu sein.

Die Feindschaft der beiden Städte setzte sich auch noch fort, als Lagaš und Umma schon unselbständige Provinzen des Reiches Ur waren.


Quelle:
Steiner, Gerd (1986): "Der Grenzvertrag zwischen Lagaš und Umma", in: Acta Sumerologica 8, S.219-300

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Alteuropa I - "neolithische Revolution"

"Das Mesolithikum endet nach einer gewaltigen Klimaveränderung und dem Verschwinden des Großwilds als Jagdbeute (Mammut, Elen, Rentier usw.), und zugleich mit der Kultur der Mondverehrung zunebst der Herrschaft des Matriarchats; und das Neolithikum begann mit der der "neolithischen Agrarrevolution" ... sowie dem Einsetzen des Sonnenkults zunebst der Herrschaft des Patriarchats."(Q5)

"Sesshaftigkeit ist nicht zwangsläufig mit Ackerbau verbunden,
aber Ackerbau benötigt Sesshaftigkeit."


I.VorgeschichteII.Wege der NeolithisierungIII.Von Anatolien nach GriechenlandIV.Von Griechenland nach Süd-Ost-Europa
- SeskloV.In Süd-Ost-Europa
- Lepenski-Vir
- Proto-Starčevo
- Karanovo
- Starčevo
- Körös-Criș
- Vinca
- Tisza (Theiß)
- Cardial-ImpressoVI.Von Süd-Ost-Europa nach Mitteleuropa
- Bug Dnjestr
- La-Hoguette
- LBK
- Cucuteni
- Pfahlbau
- Trypillya
- LengyelVII.Indoeuropäisierung
- verschiedene HypothesenVIII.Von Mitteleuropa nach NordeuropaIX.Haplogruppen (Erklärung)X.Quellen
I.V…

Alteuropa II - Vinca-Kultur (Donauzivilisation)

Vinca-Kultur (Donauzivilisation) 5400 - 4500 v.u.Z., Serbien, Rumänien, Ungarn, Bosnien
Donauzivilisation lt. Haarmann:
"Auf einigen der Idole finden sich einzelne Ritzlinien, die als Töpfer- oder Besitzermarken gedeutet werden. Einige Forscher wollten daraus eine Frühform der Schrift ableiten. ... Da Schrift gewöhnlich auftaucht, wenn größere Verwaltungsaufgaben zu bewältigen sind (Lagerhaltung und Steuereinziehung), ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese einfache Bauernkultur dafür Verwendung besaß.

Die litauische Archäologin Marija Gimbutas rechnete die Vinca-Kultur zu den Alteuropäischen Kulturen, welche durch eine – von ihr mit den Proto-Indoeuropäern verbundene – Invasion patriarchalischer „Kurgan-Völker“ aus dem Osten zerstört oder assimiliert wurden.  Heute sehen Archäologen eher soziale Veränderungen (Chapman) oder einen Klimaumschwung als Grund für das Ende der Vinca-Kultur.
http://de.wikipedia.org/wiki/Donauzivilisation"


»Zeiträume der Vorgeschichte Europas, die m…

Altes Indien I - Induskultur/Meluhha

Spätestens vor 30.000 - 40.000 Jahren v.u.Z. sind im Gebiet (Indien) Vorfahren des heutigen Menschen belegt. Neolithische Felsenbilder stammen vorwiegend noch von frühen Jäger- und Sammlerkulturen.
In Südasien werden die Jäger- und Sammlerkulturen etwa um 7000 - 6000 v.u.Z. von Ackerbaukulturen abgelöst. 
In Mehrgarh (im Gebiet der späteren Induskultur) entstehen um 6500 v.u.Z. erste Dörfer mit Gerste- und Weizenanbau, mit Ziegen, Schafen und indischen Buckelrindern.
Weizen:
altiranisch = gantuma vedisch = godhúma dravidisch = godi hethitisch = khand frühkaukasisch = *ghomu
- Hirse wurde im späten 3.Jt. v.u.Z. aus Afrika eingeführt - Reisanbau um 2000 v.u.Z. in Mehrgarh angekommen (aus Südchina) - Schafe und Ziegen stammen aus dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmond
Induskultur 2600 - 1900 v.u.Z., Entwicklungsvorstufe ab 6000 v.u.Z.
Harappa (NO-Pakistan) war um 3500 v.u.Z. noch ein Dorf, erst gegen 2600 v.u.Z. entwickelte man einen ersten, rechteckigen Bebauungsplan. - Ravi-Phase 3300 - 2800 v.…