Alteuropa II - Vinca-Kultur (Donauzivilisation)

Vinca-Kultur (Donauzivilisation)
5400 - 4500 v.u.Z., Serbien, Rumänien, Ungarn, Bosnien

Donauzivilisation lt. Haarmann:

"Auf einigen der Idole finden sich einzelne Ritzlinien, die als Töpfer- oder Besitzermarken gedeutet werden. Einige Forscher wollten daraus eine Frühform der Schrift ableiten. ... Da Schrift gewöhnlich auftaucht, wenn größere Verwaltungsaufgaben zu bewältigen sind (Lagerhaltung und Steuereinziehung), ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese einfache Bauernkultur dafür Verwendung besaß.

Die litauische Archäologin Marija Gimbutas rechnete die Vinca-Kultur zu den Alteuropäischen Kulturen, welche durch eine – von ihr mit den Proto-Indoeuropäern verbundene – Invasion patriarchalischer „Kurgan-Völker“ aus dem Osten zerstört oder assimiliert wurden.  Heute sehen Archäologen eher soziale Veränderungen (Chapman) oder einen Klimaumschwung als Grund für das Ende der Vinca-Kultur.
http://de.wikipedia.org/wiki/Donauzivilisation"





»Zeiträume der Vorgeschichte Europas, die mittels der C14-Mehode auf wenige Jahrhunderte zusammengedrängt erschienen, erweitern sich auf mehrere Jahrtausende. Aufgrund der neuen Datierung werden auch die archäologischen Funde in eine neue Kulturchronologie gestellt, darunter alte Schriftzeugnisse der Donauzivilisation, deren Datierung bis vor kurzem verzerrt war. Die ältesten Schriftdokumente stammen aus der Zeit um 5300 v.u.Z., sind also wesentlich älter als die ältesten Funde Mesopotamiens. «
(Quelle: Haarmann, Harald: Geschichte der Schrift, 2009)

dazu aber:
Die ersten Token sind etwa bis zu 8000 v.u.Z.datiert:
"Tokens are recovered in Middle Eastern archaeological sites dating 8000-3000 BC" in 6th Neolithic Studies conference in May1998. It is published in Documenta Praehistorica Vol. XXVI, 1999, p.
Siehe auch http://it.stlawu.edu/~dmelvill/mesomath/
und in Elanor Robsons "Mathematics in Ancient Iraq: A Social History " 2008


Nun, die "Schriftzeichen" der Donauzivilisation sind wohl nur einzelne Zeichen auf Keramikfunden. Vergleichsweise etwa mit der ebenfalls rätselhaften Harappaschrift (Industal, ~ 2000 v.u.Z.).
Die Zeichen stellen möglicherweise kultisch-rituelle Begriffe dar, dennoch fehlt ihnen wohl aber eine Grammatik (sowohl bei der Donau-Vinca-Kultur, als auch bei Harappa/Indus).

Haarmann macht die von ihm titulierte Donauzivilisation zu einer Hochkultur, sogar vielleicht zur frühsten. Dazu breitet er den Begriff "Donauzivilisation" auf mehrere archäologische Kulturen aus.
Entlang der Donau entfaltete sich (ausgehendes 5. Jt. v.u.Z.) ein weites Handelsnetz und Städte mit bis zu 4000 Einwohnern.
Leseprobe Haarmann

Laut Haarmann eine egalitäre Gesellschaft, im Falle Alteuropas matrilinear bzw. auch matrifokal.

Die egalitäre (im Gegensatz zur altoriental bekannten hierarchischen, patriarchischen) Gesellschaft, ohne staatliche Authorität bzw. politische Elite, findet sich wohl auch in der Induskultur und eventuell auch der Halafkukltur (Höhepunkt von c. 5200 bis 4500 v.u.Z.) wieder. Die Induskultur wird oft schon als "Hochkultur" bezeichnet, laut Haarmann müsste diese auch für die "Donauzivilisation" gelten.

Ackerbau, Metallbearbeitung, Rad zählen wohl zur alteuropäischen, neolithischen Kultur.

Sumer geht mit Eridu bis 5000BCE zurück, wenn man Samara mal ignoriert.
(so alt ist die unterste Temelschicht in Eridu)
siehe u.a in "The Early History of the Ancient Near East, 9000-2000 B.C " Nissen 1990.

Im Gegensatz zur sumerischen Schrift entwickelten sich aber diese "Donauschrift" und die "Indusschrift" nicht zu der Form, wie wir die Sumerische wahrnehmen, mit ganzen Sätzen, Absätzen, Texten, Textsammlungen.
Über mehr als wenige (bis höchstens 10, in Außnahmen bis zu 20) Schriftzeichen (also keine Zahlzeichen) gehen weder die Indus-, noch die Donauschrift hinaus. Übersetzungen scheitern bisher. deswegen lässt sich eigentlich dazu nichts genaues sagen.

Kulturell scheint es einen Kult um die Zahl 3 gegeben haben zu können. Häufig auftretende Minialtäre mit drei Füßen und Darstellungen mit 3-fingrigen Personen und Kultgefäße mit 3 Füßen.
Überwiegend finden sich weibliche Figurinen, mit antropomorphen Zügen.
Sprachlich gehen viele griechische Substratworte auf alteuropäischen Ursprung zurück, ebenso möglicherweise eine, teils wichtige Rituale. Demeter und ander Göttinnen führt man ebenfalls auf alteuropäische Einflüsse zurück.
(Haarmann)

Vinca-Zeichen oder Vinca-Symbole sind prähistorische Zeichen der Vinca-Kultur, die in Südosteuropa gefunden wurden. Es wurde angenommen, dass es sich bei den Funden, die auf 6000 bis 4000 Jahre v.u.Z. datiert werden, um Schriftzeichen handelt. Dies ist jedoch zweifelhaft auf Grund der Kürze der Zeichenreihen (85% der Funde bestehen aus nur einem Zeichen) und des Mangels an wiederholten Symbolen.
http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1467672


Vinca Zeichen



Wer erfand die erste Schrift? Immer mehr Argumente sprechen für eine Kultur an der Donau
http://www.welt.de/print-welt/article265217/Es_begann_mit_der_Sintflut.html



Tontafeln von Tartaria
Transilvanien, ca. 5370-5140 v.u.Z.,
dazu Haarmann: Beschwörungsformeln



(kalendarisches ?) 
Objekte von Karanovo (mit Zahlzeichen ?)




5. Jt. v.u.Z.



Mythogram auf Spondylus-Muschel


dazu aus "Karanovo III - Beiträge zu Neolithikum in Südosteuropa, von Stefan Hiller und Vassil Nikolov:

"According to the excavator Karmanski, six pictograms were incised on this ornament: two big fish, a big fish which had been hooked, a picture of stars in the sky, a house standing on posts (in a marsh) and a small ship with men pulling oars. We can perhaps discuss Karmanski´s interpretation, but what is quite certain is that six signs constitute a mythogram. The question remains whether this mythogram is related or not to the shell."

Also was von 6 Pictogrammen, Fischen, Sternen am Himmel, einem Haus auf Pfählen in einem Sumpf und einem Schiff in dem Männer rudern.

dazu Haarmann, "Donauzivilisation":
"In einem Frauengrab aus Mostanga in der Vojvodina (Serbien) wurde an Beigaben unter anderem ein perforierter Anhänger aus Spondylus (Meeresmuschel) gefunden, in dem verschiedene mythische Symbole und geometrische Motive eingraviert sind. Eines der Bildmotive sieht der Sternkonfiguration des Großen Wagens ähnlich ..."

dazu Séfériadès: kalendarische Zeichen

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Spinnwirtel um 4000 v.u.Z.


zu Spinnwirteln:
Haarmann:
"Die Zeichengravierungen auf den Spinnwirteln sind zweifellos intentional und bedeutungsvoll und kein Nebenprodukt praktischer Webarbeit, also keine Kratzspuren ."

Shan Winn (1981):
"Magische Markierungen, um eine erfolgreiche Produktion von Garn ... sicherzustellen, oder vielleicht um Glück und Wohlergehen für die Person zu erwirken, die spann oder webte" oder aber um "mehr formalhafte rituelle Markierungen zu Ausdruch von Hingabe, Wünsche usw."

Shan Winn (2009):
"Beim Vergleich der Inschriften auf einzelnen spinnwirteln stellte sich heraus, dass es Parallelismen in der Gruppierung von Zeichen gibt. Bspw. gibt es auf Spinnwirteln vom Fundort Jela (nördlich von Belgrad) drei Konfigurationen von jeweils zwei Zeichen in einer Gruppe. Dies lässt darauf schließen, dass es sich beim Text um eine fomelhafte Wendung handelt, in der bestimmte Kernbegriffe wiederholt auftreten."

weitere Infos (englisch):
http://www.scribd.com/doc/44190905/21-Overview-Accumulative


antropomorphe Darstellung



aus "Karanovo III" (Hiller+Nikolov),
zu Körös-Keramik:
"Vier mal drei parallele Linien laufen ... vertikal vom Boden bis zum Rand. Das Motiv imitiert ganz klar das ursprüngliche Trag- und Aufhängesystem von Kürbisgefäßen ..."

zu Tonstempel und Rollsiegel (von Haarmann):
- frühe Migranten brachten Umgang mit Tonstempeln aus Anatolien mit, älteste Tonstempel aus Catal Hüyüc


Figurine mit Linear A Schrift
Kreta, 2.Jt. v.u.Z.


Insgesammt scheint die alteuropäische "Schrift", bzw. die Zeichen nur für kultische und religiöse Zwecke verwendet worden zu sein, ggf. noch für wirtschaftliche Notierungen. Aber eine alltagsgebräuchliche Schrift stellt es nicht dar. Jedoch tauchen einige Zeichen davon auch in unterschiedlichen Kulturzonen auf, z.B. wohl auch auf Figurinen der Cucuteni-Tripole-Kultur. Außerdem zeigen die Vincazeichen ziemliche deutliche Ähnlichkeit zur Linear-A-Schrift.

Aus „Frühe Hochkulturen an Euphrat und Tigris“ von Jürgen Bär
* 9000 – 8000 v.u.Z.: eventuell erste Stempelsiegel, welche in der späteren Phase des PPN B zunächst in der Levante, vermutlich als Besitzmarkierungen aufkamen (Göbekli Tepe )
* Catal Höyük zwischen 7500 und 5700 v.u.Z.: Stempelsiegel wurden deutlich häufiger verwendet
* Uruk: in Schicht IV (3300–3100 v.u.Z.) tauchten erstmals zylinder- beziehungsweise walzenförmige Siegel auf, die für die folgenden Jahrtausende das besondere Kennzeichen aller mesopotamischen Kulturen werden. (> Rollsiegel)

Das Rollsiegel ist erstmals zwischen 3200 und 3100 v.u.Z. in der sumerischen Uruk IV-Schicht belegt und wurde ohne vorherige Übergangsformen als „neue Idee“ eingeführt. Es stellt eine Sonderform der Glyptik und Sphragistik dar und verdrängte für etwa 2300 Jahre fast vollständig das in Mesopotamien seit dem sechsten Jahrtausend v.u.Z. benutzte Stempelsiegel.
http://de.wikipedia.org/wiki/Rollsiegel

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