Alter Orient VI - Bier brauen



"Bier" sumerisch: kaš


Auf den Begriff "Bier" (zumindest in der Übersetzung) trifft man schon im Gilgamesh-Epos.

Die Sumerer gelten für uns heute als die Erfinder des Biers.

Sicherlich ist das nicht mit dem uns heute vertrauten Bier gleichzusetzen,
da wohl noch kein Malz darin war,
aber zur Kultur gehörte es damals schon, ähnlich aber anders wie heute.

Bier bei den Sumerern bietet nun viele Ansätze.
Es gab verschiedene Sorten und verschiedene Verwendungen.
Es war nicht der Elite vorbehalten,
auch das Volk und die Priester hatten ihren Anteil.




In vielen Mythen wird von Bier gesprochen.

Eine ganze Hymne beschäftigt sich mit Nin-kasi, als weibliche Gottheit des Bieres und des Brauens.

NINKASI:
AN-SAL.TUG2-KA-SI
dnin-ka-si


etcsl Enki and Ninmaḫ
52. den-ki-ke4 dnin-maḫ-e kaš im-na8-na8-ne šag4-bi ul mu-un-te
Enki und Ninmah tranken Bier

etcsl Enki´s Reise nach Nibru
098. den-ki-ke4 kaš-kaš-e ba-te kurun2-kurun2-e ba-te
099. kurun2 gal zabar-ra ba-ni-in-de2
100. &kaš;ulušin dili-am3 ba-ni-in-sur
101. dugku-kur-ru2 kaš dug3-dug3-ga duḫ-bi bi2-in-sa2-sa2
Enki kam zum Bier, kam zum Alkohol.
Er ließ Alkohol in große Bronzebehälter gießen,
und ließ Emmerweizen-Bier herauspressen.
In den kukuru Behältern, die das Bier gut machen, mischte er Bierbrei.


ulusin = süßes Emmerbier

laut [Q1] wurden eventuell psychedelische Zusätze beigefügt

[Q2]: Die Ärzte in Mesopotamien nutzen meist pflanzliche Drogen,
aber auch chemischen / mineralische Drogen waren zum Teil bekannt.

Weihrauch und Myrrhe wurde als Betäubungsmittel eingesetzt,
auch das Mark und die Blätter verschiedender Weiden,
die Salicylate enthalten. (natürliches Asperin sozusagen)

Spätestens seit Anfang des 2. Jt. v.u.Z.
kannten die Mesopotamier auch Hanf (azallu),
Alraune (u-har.hum.ba.shir oder sakiru)
und Schwarzes Bildenkraut (azallu).

Diese wurde dann sowohl zum desinfizieren als auch zum Betäuben eingesetzt.

Opium, (irru oder araru) wurde kultiviert
und wurde in verschiedener Form eingesetzt.

etcsl Gilgamesh und der Himmelsstier
6. kaš mu-un-na ! zabar sila3 gi4-bi-ib
Gib mir Bier zu trinken!
Fülle meinen Bronzekrug nach.

etcsl Lugalbanda in der Gebirgshöhle
376.  išbun ba-ni-in- ar ne-sa ba-ni-in-de2
377.  kaš gig2 kurun ziz2 babbar
378.  eštin na8-na8 gu2-me-ze2 dug3-ga
379.  edin-na a sed4 ki-še3 im-ma-ni-in-de2-de2
Das Bankett war gestellt, die Trankopfer wurden gegossen
dunkles Bier, alkoholisches Getränk, helles Emmer-Bier,
Wein zum Trinken, der dem Geschmack angenehm ist.
Über der Ebene goß er kühles Wasser als Trankopfer.

helles Bier = Emmer
dunkles Bier = Weizen

Es gab unterschiedliche Biersorten,
die mit Knoblauch, Zimt, Ginseng etc. gemixt waren.

Die Libationen war ein Trankopfer,
bei der ein Getränk vergossen wurde.
Eine der wenigen Opfer,
wo die Priester das Opfergut nicht "recyclen" konnten.
Dabei wurde durchaus Bier benutzt,
aber vor allem auch Wasser.



Die Tempel, mit ihren großen Feldern,
haben eigene Brauereien betrieben
und waren auch im Übrigen für die Produktion und Verteilung zuständig.

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Libationsvase von Gudea (Lagash) um 2100 v.u.Z.,
gefunden in Girsu,
Höhe: 23 cm (im Louvre/ Paris)



aus
Medical History
1991
P.B.Adamson
Text aus der Zeit Hammurabi:
a-na-m si-ib-tu
qi-b i-ma
um-m a be-el-ki-i-ma
esh-me-e-ma mi-na-an-na-me
si-im-ma-am mar-sa-at
u it-ti ekallim-lim
ma-ga-al wa-ash-ba-at-ma
sinnishatim-mesh ma-da-tim it-ti-sha-ma
i-sa-ab-bi-ik
i-na-an-na dab-na-tim shu-uk-ni-ma
i-na ka-as i-sha-at-tu-u
ma-am-ma-an la i-sha-at-ti
i-na gish-kussem sha ush-sha-bu
ma-am-ma-an la ush-sha-ab
u li-na-gish ershim sha it-ti-il-lu
ma.am-ma-an la it-te-e-el-ma
sinnishatim-mes ma-da-tim
it-ti-sha-ma
la i-sa-ab-bi-ik
si-im-m u-um shu-u mu-ush-ta-ach-chi-iz
(An) Shibtu meine Frau
sag ihr (typische Anrede in einem Brief)
dein geliebter Ehemann sagt
Ich habe von Naname gehört
dass sie an einer Hautkrankheit leidet
aber trotzdem besucht sie
den Palast
es wird viele anstecken
Frauen und ihre Anhängsel
Nun gebe strikte Anweisungen
das niemand trinke
von einem Becher den sie nutzte
und sich niemand niedersetze
auf der Stelle wo sie sass
und sich niemand niederlege
auf dem Bett wo sie lag
so dass sich nicht anstecken
viele Frauen
mit ihren Anhängseln
Die Hautkranakheit ist "ansteckend" (Gefangennehmend)

etcsl Proverbs
202. nam-sag9-ga kaš-am3 nam-ḫul kaskal-am3
Die gute Sache ist das Bier. Die schlechte Sache ist die Reise.

Interessante Keilschrift-Darstellungen
mit Übersetzung zu dieser Thematik
findet sich bei der Max-Planck-Gesellschaft:

http://www.kulturerbe-digital.de/dateien/pri0144_72dpi1188385026.pdf?PHPSESSID=1eec83152bc5e34253d0da5154075b3f

Nigin-Gefäße rotbraunes Bier
dafür verbrauchter Spelz: 300 Liter,
dafür verbrauchte Bierbrote: 300 Liter,
dafür verbrauchtes Malz: 450 Liter -
zum ersten Mal geliefert;

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Hymne an Ninkasi - Bier brauen

Geboren aus den fliessenden Wassern [...]
Zärtlich gepflegt durch Ninhursag
Geboren aus den fliessenden Wassern [...]
Zärtlich gepflegt durch Ninhursag

Die Stadt gegründet am heiligen See,
sie vollendete die grossen Wälle für dich,
Ninkasi, hat die Stadt gebründet am heiligen See,
sie vollendete die grossen Wälle für dich

Dein Vater ist Enki, der Herr Nidimmud,
Deine Mutter ist Nin-Ti, die Königin des heiligen Sees,
Ninkasi, dein Vater ist Enki, der Herr Nidimmud,
Deine Mutter ist Nin-Ti, die Königin des heiligen Sees,

Du bist die eine die den Teig bearbeitet,
mit einer grossen Schaufel,
mischt du den Teig in einem Trog mit süssen Aromen,
Ninkasi, die bist es die den Teig bearbeitet,
mit einer grossen Schaufel,
mischt du den Teig in einem Trog mit Datelhonig

Du bist die eine die den Teig in dem grossen Ofen backt
die Haufen der gedreschten Körner bereit legt
Ninkasi, du bist die eine die den Teig im Ofen backt
die die Haufen der gedreschten Körner bereit legt

Du bist die eine die das Malz am Grund wässert
die die noblen wie auch die starken Hunde weghält
Ninkasi du bist es die das Malz am Grund wässert
die die noblen wie auch die starken Hunde weghält

Du bist die eine die das Malz in einem Eimer einweicht
Die Well steigen, die Wellen fallen
Ninkasi du bist es die das Malz in einem Eimer einweicht
Die Wellen steigen, die Wellen fallen

Du bist die eine die den gekochten Brei auf grossen Schilfmatten verteilt
die Kühle ihn überwältigt
Ninkasi du bist es die den gekochten Brei auf grossen Schilfmatten verteilt
die Kühle ihn überwältigt

Du bist die eine die mit beiden Händen die grossartige süsse Würze hält
Braut mit Honig und Wein - bringst die süsse Würze ins Gefäss
Ninkasi [...]
bringst die süsse Würze ins Gefäss

Das Filtriergefäß, dass die erfreulichen Geräusche macht
Du plazierst es richtig auf das Sammelgefäß
Ninkasi, das Filtriergefäß, dass die erfreulichen Geräusche macht
platzierst du richtig auf das grosse Sammelgefäß

Wenn du das gefilterte Bier aus dem Sammelgefäß gießt
Es ist wie das Anschwellen des Tigris und Euphrate
Ninkasi, du bist die die das gefilterte Bier aus dem Sammelgefäß gießt
Es ist wie das Anschwellen des Tigris und Euphrate 


Ein Trinklied

(1-9) Das Gakkul Vat1, das Gakkul Vat! Das Gakkul Vat, das Lamsare Vat2! Das Gakkul Vat bringt uns eine gute Stimmung! Das Lamsare Vat unser Herz erfreut! Das Ugurbal3, Ruhm für das Haus. Das Caggub4 gefüllt mit Bier! Das Amam5, welches das Bier vom Lamsare Vat trägt! Die Tröge gemacht mit Bur-Grass6 und der Eimer zum kneten des Teigs! All diese schönen Sachen stehen bereit auf ihren Plätzen.

(10-20) Möge das Herz Deines Gottes Dir gewogen sein. Lass das Auge des Gakkul Val unseres sein, lass das Herz des Gakkul Vat unseres sein. Was Dein Herz erfreut erfreut auch unser Herz. Wir sind in guter Stimmung, unsere Herzen sind mit Glück erfüllt. Du hast Deinen Trunk über dem geölten Stein geschüttet und Du hast das Fundament in Friede und Wohlstand gelegt. Jetzt mag Ninkasi7 bei Dir wohnen. Sie Soll Bier und Wein für Dich ausschütten! Das das Glucksen der süssen Getränke dich erfreuen.

(21-31) In den Trögen aus Bur-Grass da ist süsses Bier. Ich werde die Mundschenke haben, die Jungs und die Brauer halten sich bereit. Wie ich mich um den See aus Bier drehe, während ich mich wundervoll fühle, wundervoll fühle beim Trinken von Bier in einer glückseligen Stimmung während ich Alkohol trinke und mich hocherfreut fühle, mit Freude im Herz und einer gefüllten Leber – mein Herz ist gefüllt mit Glück! Ich kleide meine gefüllte Leber passend für eine Königin! Das Herz Inannas ist wieder beglückt; Das Herz von Inanna ist wieder beglückt.

(32) Gepriesen sei Ninkasi


Interpretationshilfe
Dieser Text sollte recht verständlich sein. Zuerst wird grob die Herstellung des Bieres gefeiert. Dann wird dem vermeintlichen Zuhörer viel von den alkoholischen Getränken gewünscht.
Interessanter ist wohl vor allem am Ende, daß die Freude durch die Getränke dazu führen, daß die Göttin Inanna beglückt wird. Das ist ein allgemeines Konzept bei den Sumerern gewesen, immer wenn eine Art von Ekstase oder Freude im Spiel war, dann wurde dadurch mittelbar Inanna gepriesen – alles was Spass macht war ihr Ding.
Zum Schluss muß natürlich noch die für die Getränke zuständige Göttin gepriesen werden.

Gakkul vat : Firmentiergefäß
Lamsare Var: Braugefäß
ansonsten sowas wie Becher / Faß etc. 

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Links zum Thema Bierbrauen in Sumer:
(englisch)

[Q1] Christian Rätsch: "Urbock"
[Q2] Medical History - 1991, P.B.Adamson

Alter Orient V - Oman/Magan



Magan - "Der Kupferberg"
sumerisch: Ma2-ganki
Magan (sumerisch Ma2-ganki, assyrisch Ma-kan, Ma-ka-an, akkadisch ma-kan-nu-u, ma-ak-ka-ni-tum; gesprochen wohl Makkan) ist die Bezeichnung für das Gebiet des heutigen Oman. Aufgrund der Lagebeschreibung Gudeas konnte die Region Oman schnell identifiziert werden.
Magan trug die Beinamen „Kupferberg“ sowie „Stollenproduktberg“ und stellte im Altertum für den Handel zwischen dem Zweistromland und dem Indus-Tal eine wichtige Zwischenstation dar.

Das Land besaß durch seinen Kupferbergbau eine besondere Bedeutung im damaligen Handelssystem, da Kupfer zur Herstellung von Bronze benötigt wird.

In einem neolithischen Dorf am Rand einer Lagune fanden sie neben den zu erwarteten arabischen Artefakten auch solche der mesopotamischen Obed-Kultur. Vermutlich existierte dort eine Anlegestelle für mesopotamische Händler. Es spricht einiges dafür, dass die Keramik von Obed, die man entlang der Arabischen Halbinsel bis nach Bahrain, Katar und am anderen Ufer des Persischen Golfs fand, über das Meer und nicht auf dem Landweg befördert worden ist.
Um 1800 v.u.Z. verlor Magan mit dem Untergang der Induskultur und dem Ende direkter Handelsverbindungen nach Mesopotamien seine Bedeutung. Zwar wurde weiter Kupfer abgebaut und exportiert, doch zog Dilmun/Bahrain nun den Zwischenhandel an sich. Zu dieser Zeit verschwindet Magan aus den sumerischen Quellen. Ein Grund war wohl auch, dass der Kupferbedarf Mesopotamiens zunehmend von Zypern aus gedeckt werden konnte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Magan

Außerdem kamen lt. sumerischen Texten neben Kupfer und Schiffen auch Schweine, Möbel und Stein (Diorit) aus Magan. Demnach musste aber eine Planung über Abbau, Verhüttung und Transport zur Küste stattgefunden haben, welche wiederum eine soziale Struktur vorraussetzt.
siehe: http://www.spektrum.de/artikel/821943&_z=798888

Es entwickelte sich wohl aber keine hierarchisch organisierte
Gesellschaft wie bei den Stadtstaaten Mesopotamiens.
Die soziale Organisation erfolgte über verwandtschaftliche Beziehungen innerhalb der Siedlung und über Bündnissen mit Gruppen aus anderen Oasen.
siehe: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/7548/1/Schreiber_Juergen.pdf

Bislang ist Maništušu der einzig belegte König, der Magan im Zusammenhang eines Feldzugs betrat und dort gegen eine Allianz von „Herren aus 32 Städten“ kämpfte. Er rückte mit seinem Heer bis zum „Edelmetallstollen“ vor und ließ anschließend sein Standbild aus „schwarzem Stein“ anfertigen.
Außerdem wurden aus Magan unter anderem noch Gabbro und Diorit exportiert. So berichtet Gudea vom Import von Diorit aus Magan zur Herstellung von Statuen. Der Handel wurde mit Schiffen abgewickelt, die eine Ladekapazität von bis zu 20 t hatten.
Naram-Sin von Akkad um 2200 v.u.Z. berichtet von einem Sieg über „Mani[um], dem Herrn von Magan“.
http://de.wikipedia.org/wiki/Magan

Magan-Schiffe
Bitumenfragmente weisen wie die aus dem Oman Abdrücke von Schilf und Seilen auf der einen und Krustentieren auf der anderen Seite auf. In as-Sabiyah fand sich auch das Tonmodell eines Schiffes. Es ist nur wenige Zentimeter groß. Bei genauer Betrachtung erkennt man Schilfrohrbündel, die miteinander verschnürt und an Heck und Bug zusammengerafft sind, sowie eine glatte Oberfläche in der Mitte, vielleicht Schilfmatten. Alles in allem weist das Schiffchen alle Charakteristika der Magan-Schiffe auf.
Darüber hinaus fanden Archäologen eine Tonscherbe, die ein Schiff von ähnlicher Gestalt wie das Modell zeigt. In der Mitte erheben sich zwei Masten, mit einem Tau verbunden. Dieselben Masten in derselben Position - anscheinend war das die einzige Lösung, damit ein Schilfboot in seiner leichten Bauweise das Segel tragen konnte, fand sich auf einem Statit-Täfelchen aus Mohenjo-Daro am Indus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Magan

Zur Blütezeit Sumers und des ägyptischen Alten Reiches befand sich auf dem Boden des heutigen Sultanats Oman das Reich Magan, das fast spurlos im Dunkeln der Geschichte versunken ist. Um so bedeutender ist die Entdeckung bis zu acht Meter hoch erhaltener steinerner Turmbauten dieser Epoche im Haggar-Gebirge fern aller sonstigen Zivilisation.
http://www.spektrum.de/artikel/821943&_z=798888

Thierry Berthoud und Serge Cleuziou haben Kupfererzproben aus Iran und aus Oman mit archäologischen Kupferobjekten aus Iran, Irak und Oman chemisch analysiert und bewiesen dadurch den Kupferhandel zwischen Oman und den Sumerern schon in frühdynastischer Zeit.
siehe: http://www.ioz.unibe.ch/content/handelsbeziehungen/kupferhandel/

etcsl Enki and Ninḫursa
49D. gišmeš3 šag4-gan giš-ab-ba sig5-ga
"meš wood of Magan"
(~ meš-Holz aus Magan)
49H. kur ma2-ganki urud ni 2 kalag-ga usu-[(X)]
49I.  na4 esi na4 U na4 šu-min3 ḫu-mu-[X]
"May the land of Magan offer you strong, powerful copper, dolerite, u- stone and šumin- stone."
(~ Möge das Land von Magan Ihnen starkes, kräftiges Kupfer, Dolerite, u- Stein und šumin- Stein anbietet.)

etcsl Gilgameš and Ḫuwawa (Version A)
113. ud gišma2 ma2-ganki ba-su-a-ba
114. gišma2-gur8 gišma2-gi4-lum ba-su-a-ba
"When it sank, when it sank, when the Magan boat sank, when the magilum barge sank"
Als es sank, als es sank, als das Magan Boot sank, als der Magilum Lastkahn sank

etcsl A šir-namšub to Ninurta (Ninurta G)
144. urud nagga [ma2-ganki-na-ta]
"From the copper and tin of Magan"
Kupfer und Zinn aus Magan

Prä-Saragonische Zeit:
Magan im direkten Handel mit Mesopotamien, Erwähnungen von Schiffen von/nach Magan. Mesopotamien handelte aber auch mit Dilmun und Meluhha.

Ur-III-Zeit:
Magan handelte wohl ausschliesslich mit Mesopotamien, da anderen Länder nicht erwähnt werden.
Dynastie von Lagash
Dem mit dem Szepter von Ningirsu begabten Gudea legten sich Makkan, Meluhha, Kuppin, das Land Tilmun das Joch auf den Nacken und brachten alle ihre Hölzer auf Schiffen nach Lagash. (Statue D IV 4-14; Heimpel 1987: 27)
Makkanzwiebeln:
…. 20 Liter MIN-Pflanze, 10 Liter Makkanzwiebeln ist Zehnt des Nanna. (Verwaltungsurkunde aus Ur; Ibbi-Sin 2; Heimpel 1987: 43)
http://www.ioz.unibe.ch/content/altorientalische_texte/sumerische_quellen/magan/

Altbabylonischen Zeit:
Magan verlor den direkten Kontakt zu Mesopotamien und wurde durch Dilmun ersetzt. Aber es ist anzunehmen, dass Magan anstelle von Mesopotamien nun Dilmun belieferte.
siehe: http://www.ioz.unibe.ch/content/handelsbeziehungen/kupferhandel/

Geschichtliche Zusammenfassung:
- die Oasensiedlungen reichen etwa 5000 Jahre zurück.
- ab 3000 v.u.Z. (früheste Periode von Hili 8): voll ausgeprägte Oasenwirtschaft
- Jahrtausendwende 2./1. Jt. v.u.Z.: Qanat-Bewässerungssystem
- nur etwa 2% der Landesfläche ackerbaulich nutzbar sind.
Hafit-Periode
(3000-2700 v.u.Z.) (Periode I der Siedlung Hili-8)
Archäologen fanden eine quadratische Lehmziegelstruktur mit abgerundeten
Ecken,welche die Merkmale der nachfolgenden Umm an-Nar-Periode vorwegnimmt und als „Prototyp“ der Türme des 3. Jt. angesehen wird.
Umm an-Nar-Periode
(2700-2000 v.u.Z.)
Während des 3. Jt. v.u.Z. nimmt die Zahl der Oasensiedlungen stark zu. Es fanden sich Reste von Monumentalarchitektur wie Turmbasen, Terrassenanlagen und runden
Plattformen bis hin zu rechteckigen Gebäuden (jedoch wird eine Betrachtung als Heiligtum kaum erwägt).
Durch den im 3. Jt. v.u.Z. zunehmenden Handels mit Mesopotamien,
Industal und Iran, bildeteten sich spezialisierte Siedlungen heraus, welche
über vorhandene Sippen- oder Familienbanden verbunden waren. Im Landesinneren entstandenn derweil reine Bergbausiedlungen.
Wadi Suq-Periode
(2000-1600 v.u.Z.)
Ein Rückgang der Siedlungszahl tritt ein, eventuell weil die Bevölkerung auf nomadische Lebensweise überging. Die Umm an-Narzeitlichen
Türme wurden teilweise mit massiven Mauern verstärkt und festungsartig umgebaut.
Der Handel kam nicht gänzlich zum Stillstand, wurde nun aber wohl
über Dilmun/Bahrain als Zwischenhändler geführt, was sich über [I]Early Dilmun-Scherben[/I] nachweisen lässt.
Zu Beginn des 2. Jt. v.u.Z. setzte eine weitere Trockenperiode ein, welche durch den fast kompletten Abbruch der Kupferhandelsbeziehung mit Mesopotamien und dem zeitgleichen Untergang der Induskultur zum Niedergang der
Oasen führte. Nur im Norden werden Siedlungen weiterhin in größerem Umfang genutzt, ausgebaut oder neu gegründet.
siehe: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/7548/1/Schreiber_Juergen.pdf

Kupfer: http://www.kupfer-institut.de/front_frame/pdf/i004.pdf


Die heute im allgemeine Ansicht der Assyrologen ist, dass Dilmun an der Westküste der persischen Golfes lag (Kuwait - Bahrain), Magan an der West Küste von Makran und Oman. Meluhha entspricht dem Indus-Tal.
(siehe auch Steinkeller, ZA 72 (1982))

Umma scheint eine direkte Verbindung mit Dilmun (Bahrain), Magan (Makran?) und Meluhha (Indus Valley?) gehabt zu haben, wie Siegel aus dem Indus-Tal zeigen sollen.
(Foster, Iraq 39 (1977))

Die triumphalen Inschriften von Sargon und Naram-Sin legen eine direkte und stark frequentierte Verbindung zwischen Mesopotamien und dem Indus-Tal nahe.
(Foster, Iraq 39 (1977))

Wie auch immer, die verfügbaren Hinweise, dass Dilmun, Magan und Melubba die gleichen Masseinheiten verwendeten, deutet auf ein entsprechendes Wechsel-System hin, um den Handel mit Mesopotamien zu erleichtern.
(größere Kupfertransaktionen siehe z.B. in der Übersetzung von UET 5 796, Roaf, Iraq 44 (1982) 137-38)

Verstärkter Siedlungsbau zu der Zeit Umm An-nar (2500-1900 v.u.Z.) kann , wenigstens zum Teil, auf starken Handel zwischen dem Indus-Tal, Mesopotamien und Süd-Arabien zurückgeführt werden. [Q1]


Magan wurde schon lange mit Oman identifiziert, dieses ist durch Funde der letzten Jahre unzweifelhaft der Fall. Zum Teil auch anhand von Metal und Metalfunden . [Q2]

Die mittlerweile genau überwältigende Menge an Daten bzgl. Handel mit Luxusgütern zwischen Iran und Pakistan liefern eine solide archäologische Basis für die Identifizierung von Meluhha mit dem Indus-Tal. [Q3]


Der Name Dilmun wurde gegen Ende der 3. Jahrtausend BCE mit einem Handlesgebiet am persischen Golf um Nahrain und Failaka assoziiert.


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Quelle: ASOR Artikel:

Magan and Meluḫḫa Once again
Piotr Michalowski
Journal of Cuneiform Studies
Vol. 40, No. 2 (Autumn, 1988), pp. 156-164
Published by: The American Schools of Oriental Research

Two Letters from Dilmun
P. B. Cornwall
Journal of Cuneiform Studies
Vol. 6, No. 4 (1952), pp. 137-145
Published by: The American Schools of Oriental Research

The Tangible Evidence for the Earliest Dilmun
Theresa Howard-Carter
Journal of Cuneiform Studies
Vol. 33, No. 3/4 (Jul. - Oct., 1981), pp. 210-223
Published by: The American Schools of Oriental Research

Beyond the Desert and the Sown: Settlement Intensification in Late Prehistoric Southeastern Arabia
Peter Magee
Bulletin of the American Schools of Oriental Research
No. 347 (Aug., 2007), pp. 83-105
Published by: The American Schools of Oriental Research

Dilmun: At Sea or Not at Sea?: A Review Article
Theresa Howard-Carter
Journal of Cuneiform Studies
Vol. 39, No. 1 (Spring, 1987), pp. 54-117
Published by: The American Schools of Oriental Research

Long-Distance Seafaring in the Ancient Near East
Robert R. Stieglitz
The Biblical Archaeologist
Vol. 47, No. 3 (Sep., 1984), pp. 134-142
Published by: The American Schools of Oriental Research
[Q1]: (Potts 1993a, 1993d) Dieses wird u.a. durch eine Anzahl von Texten gezeigt, die auf Magan verweisen und vor allem den Handel mit Kupfer über Dilmun (Bahrain) zwischen Magan und Mesopotamien nachweisen.
(1994 Black Boats of Magan: Some Thoughts on Bronze Age Water Transport in Oman and Beyond from the Impressed Bitumen Slabs of Ra5s al-Junayz. Pp. 745-62 in South Asian Ar chaeology, 1993: Proceedings of the Twelfth International Conference of the European As sociation of South Asian Archaeologists Held in Helsinki University, 5-9 July 1993, eds. A. Parp?la and P. Koskikallio. Annales Academiae Scentiarum Fennicae B 271.)
[Q2]: (G. W. Goettler, N. Firth, and C. C. Hudson, "A Preliminary Discussion of Ancient Mining in the Sultanate of Oman," Journ. Oman St. 2 (1976) 43-50; A. Hastings, J. H. Humphries, and R. H. Meadow, "Oman in the Third Millennium B.C.E.," Journ. Oman St. 1 (1975) 9-55; Dr. Gerd Weisgerber of the Bergbau Museum in Bochum, Germany) 
[Q3]: (G . F. Dales, "ShiftingT radeP atterns between the IranianP lateaua nd the IndusV alley in the 3rd MillenniumB .C.,"i n J.D eshayes (ed.), Le Plateau Iranien et l'Asie Centrale des Origines & la Conqubte Islamique (Paris, 1977) pp. 67-78;" Archaeologicaal nd RadiocarbonC hronologiesf or PrehistoricS outhA sia,"i n N.
Hammond (ed.), South Asian Archaeology (London, 1973) pp. 156-69; Ahmad Hasan Dani, "Origins of Bronze Age Cultures in the Indus Basin," Expedition 17 (1975) 12-18; Gregory Possehl, Ancient Cities of the Indus (North Carolina, 1979) pp. 153-54; "Bibliography," Expedition 17 (1975) 38-39; Daniel Potts, "Towards an Integrated History of Culture Change in the Arabian Gulf Area: Notes on Dilmun, Makkan, and the Economy of Ancient Sumer," Journ. Oman St. 4 (1978) 29-51; S. R. Rao, "Shipping and Maritime Trade of the Indus People," Expedition 7 (1965) 30-37; B. K. Thapar, "KalibanganA: HarappanM etropolis beyond the Indus Valley," Expedition 17 (1975) 19-32; Maurizio Tosi, "The Dating of the Umm an-NarC ulturea nd a Proposed Sequence for Oman in the Third MillenniumB .C.," Journ. Oman St. 2 (1976) fig. 1, p. 82. 83. Tosi (Journ.O man St. 2 [1976]8 8)
 

Alteuropa I - "neolithische Revolution"




"Das Mesolithikum endet nach einer gewaltigen Klimaveränderung und dem Verschwinden des Großwilds als Jagdbeute (Mammut, Elen, Rentier usw.), und zugleich mit der Kultur der Mondverehrung zunebst der Herrschaft des Matriarchats; und das Neolithikum begann mit der der "neolithischen Agrarrevolution" ... sowie dem Einsetzen des Sonnenkults zunebst der Herrschaft des Patriarchats." (Q5)

"Sesshaftigkeit ist nicht zwangsläufig mit Ackerbau verbunden,
aber Ackerbau benötigt Sesshaftigkeit."


I. Vorgeschichte
II. Wege der Neolithisierung
III. Von Anatolien nach Griechenland
IV. Von Griechenland nach Süd-Ost-Europa
- Sesklo
V. In Süd-Ost-Europa
- Lepenski-Vir
- Proto-Starčevo
- Karanovo
- Starčevo
- Körös-Criș
- Vinca
- Tisza (Theiß)
- Cardial-Impresso
VI. Von Süd-Ost-Europa nach Mitteleuropa
- Bug Dnjestr
- La-Hoguette
- LBK

- Cucuteni
- Pfahlbau
- Trypillya

- Lengyel
VII. Indoeuropäisierung
- verschiedene Hypothesen
VIII. Von Mitteleuropa nach Nordeuropa
IX. Haplogruppen (Erklärung)
X. Quellen

I.Vorgeschichte

 Die Frage der Ausbreitung von Ackerbau und dauerhafter Sesshaftigkeit wird von unterschiedlichen Punkten her betrachtet. Sowohl genetische, als auch archäologische Fakten und Aussagen müssen dabei koordiniert werden. Die genetische Beobachtung der Haplogruppen, aber auch die Veränderungen in den Keramik-, Beerdings- und Speißefragmenten spielt hiebei ein.

Als Haplogruppe wird eine Gruppe von Haplotypen bezeichnet,
die spezifische Positionen auf einem Chromosom innehaben.
Y-Chromosom (Y-DNA) > väterlichen Linie
mitochondriale DNA (mtDNA) > hauptsächlich entlang der mütterlichen Linie

Man kann diese Gruppen verwenden, um genetisch verwandte Gruppen innerhalb der Bevölkerungen zu definieren. Die verschiedenen Haplogruppen (Hg.) werden unterschiedlichen Ursprungsregionen zugeordnet.

Temperaturschwankungen
Vor 14.000 Jahren stieg die Temperatur innerhalb von vielleicht nur 100 Jahren um 10°C an und erreichte fast nacheiszeitliche Durchschnittswerte. Innerhalb von 1000 Jahren fiel die Temperatur stufenweise wieder ab und schnellte dannach innerhalb weniger Jahrhunderte wieder um 16-17°C nach oben.
Etwa vor 11.000 und 9000 Jahren war es ähnlich warm wie jetzt, vielleicht sogar wärmer.
Vor 8200 Jahren kam ein neuerlicher Kälteeinbruch um ca. 3°C, worauf sehr warme Zeit folgte, die wahrscheinlich sogar erheblich wärmer war als heute, und die dann nach etwa 3000 Jahren in der Frühzeit der ersten Hochkulturen endete.
Somit stellt sich der Anfang des Holozäns als klimatisch unstabil dar. Das Ende der Eiszeit war demnach nicht abrupt oder allmählich, sondern heftig schwankend über 5 Jahrtausende.  (Q15)

genetische AusbreitungPaläo- und Mesolithikum

- vor ca. 46.000 (Europa, Aurignazien), Hg. J mit Ursprung Zagrosgebirge (Oppenheimer)

- Y-DNA Hg. C-V20 als erste Migranten nach Europa vor 45.000 Jahren
> Kontakt mit Neandertalern (Q14)

- vor ca. 35.000 Jahren kamen erste moderne Menschen (Cro Magnon) von Asien nach Europa
-> Y-DNA Hg. I (Q10b)
(vor ca. 30.000 - 20.000 Jahren (Q8))

- im Paläolithikum Hg. A1a von Westafrika nach Nord- und Westeuropa (Q14)
 
- vor ca. 31.000 Jahren weitere Einwanderung -> Hg. R1b (Cromagnon) (Q8)

- mesolithische Jäger und Sammler (Europa vor 12.000 Jahren bzw. Gravetien)
-> Y-DNA Hg. I (Q10b, Q14)
mtDNA Hg. U4, U5  (Q14)

- vor ca. 12.000 Jahren:
auf Balkan bildete sich aus Hg I die Hg. I2a

 (Q10b)

Ausbreitung Ackerbau in Europa

vor 7000 v.u.Z. - Kreta
vor 6500 v.u.Z. - Thessalien / Sesklo
~ 6200 v.u.Z. - Karanovo
~ 6000 v.u.Z. - Starčevo
~ 6000 v.u.Z. - Criș
~ 5500 v.u.Z. - Criș-Körös
vor 5500 v.u.Z. - Hamangia  

II.Wege der Neolithisierung

Europa hatte im 6. Jt. v.u.Z. mindestens zwei nmeolithische Zentren von Farmern. Eine Welle setzte sich im Donaudelta fest (-> Karanovo), die andere in Thessalien.  (Q4a)

1. Erste neolithische Ausbreitung Europa
6500-6000 v.u.Z.: erste Expansion aus Anatolien in Richtung Balkan, vermutlich nur einfache Bauern, ohne Elite, bis nach Karanovo I und II  (Q4a)
-> E1b1b ? (Q10d)

2. Zweite neolithische Ausbreitung Europa
Die Ausbreitung der Hg.Y-DNA I2 wird mit den Pfahlbauern verbunden, die von Griechenland (Sesklo ca. 6300 v.u.Z.) über Süd-Ost-Italien, Bosnien-Herzegovina, Kroatien, Alpen und entlang des Rheins sich verbreitete (-> Cardial-Impresso,  La Hoguette)
Die Impressokulturen kannten im Gegensatz zu Karanovo schon den Nacktweizen, den Karanovo erst übernahm, als sich beide Gruppen bei Vinca-Kultur trafen (Q4a)

Genetische Ergebnisse zeigen, dass im Neolithikums vier wesentliche Migrationsereignisse in Zentraleuropa stattfanden. Der Wandel paläolithischer und mesolithischer Gesellschaften zu Neolithischen war mit einem deutlichen Bevölkerungsbruch verbunden, bei dem die eingewanderten Bauern große Teile der ansässigen Jäger-Sammler-Bevölkerung ersetzte. In den folgenden 2.500 Jahre veränderte sich die genetische Zusammensetzung dann kaum. (Q17)

Spätere Phasen des Neolithikums waren durch die aufeinander folgende Bevölkerungsverschiebungen durch die Ausbreitung der Trichterbecherkultur aus Nordeuropa, die Ausbreitung der Schnurkeramischen Kultur aus Osteuropa und die Ausbreitung der Glockenbecher-Kultur aus Westeuropa gekennzeichnet. (Q17)

genetische Ausbreitung
Neolithikum

Mit dem Neolithikum wurden auch die Haplogruppen J und E nach Europa gebracht (Q8)

erste Ackerbauern von Anatolien nach
Griechenland > Balkan > Italien > Zentral- und Osteuropa
mit Y-DNA E1b1b und G2a (Q14)

E1b1b: N-Afrika, Vermischung Afro-asiatischer Sprachen,
neolithische Farmer im Nahen Osten + Balkan (Q14)

E1b1b Nordafrikaner, Phönizier, LBK
-> während Jungsteinzeit über Balkan nach M-Europa als 1. Ackerbauern

(Q10a)
(Q10c)

R1a: Nord-Ost-Europa, Indoarier, Baltoslawen (Q14)
 R1a(1) - Indoeuropäer (östl. Europa) (Q10a)(Q10c)

R1b: West-Europa (Indoeuropäer), griechisch-anatolisch, ital., keltisch, germanisch (Q14)
 R1b(1) - Indoeuropäer (westl. Europa) (Q10a)(Q10c) 

ursprüngliche Vorfahren der westgermanischen Hg. R1b-U106
war wohl die Sintashta-Kultur (R1b-M269)
(Q4b)

Hg. R1b im frühen Neolithikum in Anatolien und Mesopotamien, kommt dann in den Kaukasus, Pontische Steppe und vermischt sich mit Hg. R1a (Q14)

Y-DNA Hg. R1b1b2 (R-M269) aus Anatolien zur Jungsteinzeit
Zusammen mit den Erkenntnisen von anderen Haplogruppen, bedeutet das, dass die meisten europäischen Y Chromosomen aus der neolithischen Auswanderung stammen. Diese Neuinterpretation macht Europa zu einem hervorragenden Beispiel dafür, dass technologischer und kultureller Wandel mit der Ausbreitung von Y-Chromosomen Linien verbunden ist, anders als die Muster die weiblich vererbte mitochondriale DNA nahelegen. (Q16)


G2a: neolithische Farmer und Nomaden im Mittleren Osten und Europa,
> Indoeuropäer (Q14)
G2a - Kaukasier (Q10a)(Q10c)

I1: N-Europa, Wikinger (Q14)
I2: europäisch-mesolithisch, Slawen, Germanen (Q14)
  I1 - Alteuropäer mit mtDNA Hg. H und U (Q10a)(Q10c)

neolitische Zentren:
Jütland: Hg. I1
Sachsen-Anhalt: Hg. R1a
(Q4b
J1: arabisch, aus Kaukasus, im Neolithikum nach Ostafrika (Q14)
 J1 - Orientale (südl.) (Q10a)(Q10c)

J2: W-Asien, griechisch-römisch, Bronze+Eisenzeit, frühe Kulturen in Indien (Q14)
J2 - Orientale (nördl.) (Q10a)(Q10c)
 
Q: Nord- und Zentralasien, Hunnen, Mongolen, Türken (Q14)

T: alter mittlerer Osten und Ostafrika, Babylonier, Phönizier, Griechen, Römer (Q14)
N: Finnland, Sibirien, Kundo-Kultur (8000-5000 v.u.Z.),
Comb Keramic Culture (4200-2000 v.u.Z.),
wird weiter durch Schnurkermaik (3200-1800 v.u.Z.) verbreitet (Q14)
C: erste Migranten aus Afrika (vor 70.000 Jahren)
Ostarfika > Indischer Ozean > Süd-Ost-Asien > Nors-Ost-Asien > Ozeanien (Q14)

Beispiele für mtDNA Hg. N:
Cro Magnon (Italien) -> Hg. N (ca. 24.000 Jahre alt)
LBK (Dtl.) -> Hg. N1a (5500-4900 v.u.Z.)
Megalithkultur (Frankreich) -> Hg. N1a (4200 v.u.Z.)
Köröskultur -> N9a
(wiki)

Auf dem Maximum der letzten Eiszeit:
Spanien: Hg. R1b

Griechenland: Hg. I
nördl. Kaukasus: Hg. R1a
(Q8)

Weitere Modelle
„Indo-Hethitisches Modell“ Renfrew (2003):
- ab 6.500 v.u.Z.: neolithische Expansion aus Anatolien über die Balkanhalbinsel
(Starčevo-, Körös-Cris-Kultur) bis zur LBK
- um 5.000 v.u.Z.: Ausbreitung kupferzeitlicher Kulturen, Dreiteilung Proto-Indoeuropäischer Sprachen auf dem Balkan mit Aufspaltung in einen nordwesteuropäischen Zweig (Donauraum) und einen östlichen Steppenzweig (Vorfahren der Tocharer).

Luigi Cavalli-Sforza sieht Verbindung von Anatolien- und Kurgan-Hypothese  Seiner Ansicht nach hätten Bauern ein altertümliches Indogermanisch aus Anatolien mitgebracht und in Europa verbreitet; in einer zweiten Welle hätten sich die restlichen indogermanischen Sprachen aus dem Kurgan-Gebiet verbreitet.
(wiki) 

III.Von Anatolien nach Griechenland

~ 7500-7000 v.u.Z. Spätestens um 7000 v.u.Z. kommt der Ackerbau aus Anatolien nach Kreta (Griechenland). Die Migrationen aus Anatolien wanderten in kleinen Gruppen zu verschiedenen Zeiten in Europa ein, ebenso wanderten (um 7100 v.u.Z.) europäische Wildbeuter nach Anatolien ein. Die Anatolier brachten Saatgut, Tiere und Gerätschaften mit sich, aber in der ersten Migrationswelle noch keine Töpferware. Überwiegend kamen Männer, welche sich einheimische Frauen nahmen.

M.Özdogans meint, dass sich zwischen 12.000 und 7.000 v.u.Z. unabhängig voneinander, jedoch gleichzeitig, die größere nahöstliche- und die kleinere zentral-südliche Zone protoneolithische/spätvorkeramische Zentren entwickelt haben, welche dann zwischen 7600 und 6000 v.u.Z. miteinander in Kontakt traten (= Anfang der Migration aus Anatolien) (Q1)

Hatti (als evt. Vorfahren der ersten Farmer aus Anatolien):
Haplogruppe I-M170, R1a (Q4b)

IV.Von Griechenland nach Süd-Ost-Europa
~ 7000-6000 v.u.Z.

Der Kontakt zwischen Mesolithikern (Jäger und Sammler) und Neolithikern (Ackerbauern) wird überwiegend friedlich verlaufen sein. Durch Erkundungen und kleinere Weiterwanderungen bestand ein Kontakt zu den mesolith. Jägern und Sammlern. Am Anfang stand vermutlich ein Warenaustausch, während im weiterem Verlauf sich die Siedler aus Süden Frauen aus dem Norden nahmen und bikulturelle Familien gründeten. (Q2)

 "Offenbar war die Kunde von Pflanzenkultivation und Viehaltung bereits im 7.Jt. v.u.Z. zu den Alteuropäern gedrungen, und zwar als Ideentransfer. Denn als die Thessalier mit den Einheimischen weiter im Norden Kontakt aufnahmen, hatten diese bereits den Hund domestiziert, sie hatten außerdem begonnen Haselnusssträucher anzubauen und Wildschweine an bestimmten Plätzen als Fleischreserve zu halten" (Cunlifte 2008)

"Es ist davon auszugehen, dass die Theassalier zwar das Agrapaket nach Bulgarien brachten, dass sich aber die einheimischen Jäger und Sammler schnell und produktiv akkulturierten. Auch das Genprofil der lokalen bevölkerung zeigt eine deutliche Abnahme anatolischer Genome und eine Dominanz der genetischen Typik der lokalen alteuropäischen Bevölkerung. Untersuchungen zur Kontinuität des männl. Y-Chromosoms weisen die mesolith. Jäger und Sammler Alteuropas als die Vorfahren der neolith. Population mit agraischer Lebensweise auf dem Balkan aus. Der genetische Fußabdruck der anatolischen Neusiedler bleibt im Wesentlichen auf Thessalien beschränkt." (Q2)
> daher kein großräumige Migration aus Anatolien, Diffusion (die mesolith. Jäger und Sammler erkannten die Vorteile und ließen sich nieder - und wurden zu neolith. Bauern)

Sicher gilt die Existenz einer entwickelten, Jagd- und Fischereiwirtschaft betreibenden, die Schwelle zur Produktionswirtschaft erreichende lokale Bevölkerung, welche bereit war, die neue Lebensweise (Ackerbau) in großen Gebieten des Karpatenbeckens rasch anzunehmen. Die lokale Bevölkerung verschmolz dabei mit den neolithischen Einwanderern >>> Beginn südosteuropäisches Neolithikum (>Starcevo-Körös-Cris)

Sesklo / Thessalien

prä-keramisches Neoolithikum
 Auswanderer aus Kleinasien brachten Gerste, Rinder und Schafe mit, die 2. Welle Keramik und die charakteristischen Züge von Proto-Sesklo
die europäische Impresso-Cardial-Gruppe verschmolz bei Proto-Sesklo mit kleinasiatischen  Migranten
Knochenreste der Rinder und Schafe aus ältester Ackerbausiedlung Griechenlands sind noch domestizierte Tiere aus Anatolien, genetische Untersuchungen von Rinderknochen des Neolithikums haben ergeben, dass die Alteuropäer einheimische Rinder mit den aus Anatolien herübergebrachten Rassen kreuzten.
Auerochsen bis 6000 v.u.Z. in Kreta domestiziert (Roberts 1996) 
Ende 7. Jt. v.u.Z. Webtechnik in Süd-Anatolien, Thessalien,
nach 6000 v.u.Z. Ausbreitung der Webtechnik über Süd-Ost-Europa

früheste Siedlungen Thessaliens mit freistehenden, rechteckigen Häusern

Sesklo: Haplogruppe R1a + I2a (Q4b)

Karte:


V.In Süd-Ost-Europa

~ 6500-5500 v.u.Z.

Laut Peter Boer (1972) traten bereits im frühen Neolithikum (Bulgariens) mediterrane Typen mit mehr oder minder cromagnoiden Merkmalen auf. Daher erwägt er, das sich die mediterrane Rasse autochthon auf der Balkaninsel entwickelt hat und nach Zentraleuropa einwanderte.
Die grazilen mediterranen Völkertypen sind in Vorderasien und dem Balkan entstanden. (Q5)

- vor 6000 bis 5000 Jahren:
Indoeuropäer mit Hg. R1a und Hg. R1b

(Q10b)

- vor 5000 Jahren im Alpengebiet:
- Hg. R1b1b2 aus Donauraum (bei Hg. I2b)

- Hg. R1a1 aus Osteuropa (bei Hg. I2b)
(Q10b)
- 6500 v.u.Z. allgemeines Töpferhandwerk in Süd-Ost-Europa
- 6200 v.u.Z. Klimasturz (Kleine Eiszeit) hemmt Verbreitung des Ackerbaus in Europa
- 5800 v.u.Z. rapide Erwärmung (Schwarzmeerregion), aus Mischwäldern wurde Gras- und Buschland  -> fördert Ausbreitung des Ackerbaus nach Süd-Ost-Europa
- 6. Jt. v.u.Z. Schrumpfung der Bevölkerung Anatoliens wegen Austrocknung, Catal Hüyüc, Hacilar um 5500 v.u.Z. aufgegeben
- Mitte 6.Jt. v.u.Z. ist in ganz SO-Europa ein formaler Wandel der Figuralplastik festzustelle
> das weist auf eine differenzierte und eigenständige Weiterentwicklung des anatolischen Kulturerbes hin.
- 4700 - 4300 v.u.Z. Vorkommen von Spondylusschmuck hört in Mittel-Europa auf
- 4300 - 4100 v.u.Z. hunderte Siedlungen im Bereich Donautal / Ostbulgarien wurden aufgegeben
- 4100 - 3800 Klimawechsel atlantische Periode


 Bohrungen am Boden des Schwarzen Meeres (35 km vor bulgarischer Küste) zeigen, dass Mitte des 6.Jt. dort Wald gerodet und Acker bestellt wurde. Durch nachfolgende Schwankungen des Meeresspiegels entstanden die Überflutungen. Die materielle Hinterlassenschaft der vor den Überflutungen Flüchtenden verweißt auf die Hamangia-Kultur.




Epoche Zeit (v.u.Z) Zentralbalkan Thessalien Thrakien
frühneolith. ~ 6500 Protosesklo
frühneolith. 6200 - 5700 Starčevo IIa Frühsesklo Karanovo I
mittelneolith. 5650 - 5500 Starčevo IIb Sesklo I-II Karanovo II
mittelneolith. 5500 - 5200 Protovinca Karanovo IIIa
spätneolith. 5300 - 5000 Vinca A1 Karanovo IIIb
spätneolith. Vinca A2 Karanovo IVa
spätneolith. Vinca B1 Karanovo IVb
spätneolith. Vinca B2 Karanovo IVc
spätneolith. 4900 - 4500 klassisch Dimini Karanovo V
chalkolith. 4500 - 4000 Karanovo VI
chalkolith. 4000 - 3600 Karanovo VII (Q4a)
frühbronze 3600-3200 Karanovo VII (Q4a)
> Indogermanisierung
(Hiller, Nikolov)

Karte:

Lepenski-Vir 

(am "Eisernen Tor") 
Früheste Hinweise in Europa auf saisonale Sesshaftigkeit im Donautal,
Bei Lepenski-Vir errichteten Jäger und Sammler im 8.Jt. v.u.Z. eine Kultstätte, Ackerbau gegen Ende des 7.Jt. v.u.Z. - Anfang 6.Jt. v.u.Z. und domestizierte Rinder um 5900/5800 v.u.Z., ca. 50 cm hohe antropomorphe Steinskulpturen, mit Mäulern und Augen von Fischen.
Überlagerung mit Starčevo

trapezförmige Häuser mit getrennten Kult- und Wohnbereich, erste Monumentalskulpturen Europas (Q6)

Laut D.Srejović (Q1): autochthoner und autonomer Übergang Südosteuropas in das Neolithikum da u.a. die Auswertung der Befunde von Lepenski Vir ergab, das es in diesem Gebiet am Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum zu keinen drastischen ethnischen Umbrüchen im Bevölkerungsbestand kam, sondern örtliche Entwicklungsphasen zum Neolithikum führten

Laut J.Radovanović (Q1) erscheint frühste Keramik in Süd-Ost-Europa bei Lepenski Vir I/2 (Padina B/I) um 6200 v.u.Z. als "keramisches Mesolithikum" (Hiller, Nikolov), dagegen Lepenski Vir IIIa (= Frühneolithikum Proto-Starčevo) als frühneolithisch
   
Skelette bei Lepenski Vir III deuten darauf hin, das wohl grazilere Menschentypen aus den mediterranen Raum zuwanderten und die Cro Magnon Menschen friedlich verdrängten, ca. 4500-2000 v.u.Z. (Q5) 


 5800 v.u.Z. Proto-Lepenski Vir
5600 v.u.Z. Lepenski Vir I
4950 v.u.Z. Lepenski Vir II
4850 v.u.Z. Lepenski Vir Iiia = Starcevo
4700 v.u.Z. Lepenski Vir IIIb
4300 v.u.Z. Vinca
(Q5)


Proto-Starcevo

Älteste Keramik (monochrom und/oder mit weißer Bemalung) kann nicht als Ergebnis lokaler (autochthoner) Entwicklung betrachtet werden (Nándor Kalicz)

die lokale Bevölkerung verschmolz mit den neolithischen Einwanderern

- Emmer, Einkorn domest. Schafe
-  kleine, sogenannte Hornanhänger aus Ton

Starcevo, Körös und Cris sind regionale Entwicklungen der Proto-Starcevo-Stufe, vor 6000 v.u.Z. überregional einheitlich als Nord-Süd gerichtete 1. Neolithisierungswelle, nach 6000 v.u.Z. Differenzierung der Keramik und Ausprägung in Starcevo-Körös-Cris-Komplex mit Ackerbau und Viehzucht (Q7)


Karanovo

~ 6200 - 3000 v.u.Z., eigentlicher Aufschwung ab 5800 v.u.Z.
südliches Bulgarien (Thrakien), Makedonien, östlicher Balkan, Donau


Thraker (Karanovo): Haplogruppe R1a + I1 (Q4b)

Neolithisierung wohl als Folge von Migrationsbewegung aus Anatolien,
aber in Bulgarien nimmt der Anteil anatolischer Gene rapide ab

- fettsteißige Figuren ohne stärker ausgearbeitete Gesichtszüge
- Minialtäre mit 3-4 Beinen

 Beschriftete Täfelchen (Tartaria) von den sich im rumänischen Siebenbürgen niederlassenden Trägern der Vinca-Tordos-Kultur ähneln auffallend den in Bulgarien gefundenen Zeichen (frühchalkolith., ca. 4000 v.u.Z., proto-minoisch?, Linear A?) (Q5)

Die frühneolithische Keramik Bulgariens weist mit der aus Westanatolien stammenden viele Gemeinsamkeiten auf. Daher nimmt man an, das die ersten mediterranen Bewohner Bulgariens zur gleichen Zeit der anatolischen Früh-Hazilar-Zeit ins Land gekommen sind. (Q5)
Bei der Karanovo-Abfolge tritt in Thrakien mit der Karanovo II Periode in der Kultur eine Spaltung ein, im Osten entwickelt sich K.II, wogegen im Westen vorerst eine ununterbrochene Entwicklung im Sinne des frühen Neolithikum besteht, um 5750-5700 v.u.Z. folgt eine Differenzierung der neolithischen Kulturen an, Nord-Ost-Thrakien gibt die Bemalung auf und es entsteht der Karanovo II Stil, Süd-West-Bulgarien nimmt die Bemalung mit dunklen Farben auf (Q1)

 Am Ende der Jungsteinzeit (Ende 5. Jt. v.u.Z.) trifft man bei Karanovo III keramische Elemente an, die der vorher lebendigen einheimischen Tradition völlig fremd sind. Daher muss man von einer von außerhalb herein gebrachten, bereits vollständig entwickelten Produktion sprechen. (Q5)
Karanovo VI: chalkolithisch (eneolithisch), 
nicht indogermanisch (Q5)
= Warnakultur 4400 - 4100 v.u.Z.
2. Hälfte 5 Jt. v.u.Z. Expansion Karanovo bis Süd-Rumänien
-> Kupfer, Tonsiegel
Karanovo VI = Kodjadermen-Gumelnita-Karanovo VI, 
lokale Variante: Varna-Kultur 4600/4400-4200/4100 v.u.Z. Varna betrieb Handel bis zur Wolga über Cucuteni-Tripolje (4800-3200 v.u.Z.) (Q4a)

Warna I: spätes Neolithikum (4500 v.u.Z.) mit gebrannter Keramik und Spondilusmuscheln als "Währung" für den Handel
Warna II:  frühes Chalkolithikum (4000 v.u.Z.), Grabbeigaben aus Gold
(Q5)


 aus Karanovo VI  (4500 v.u.Z.)


Starčevo

~ 6200 - 5400 v.u.Z.
Südtransnubien, Nord-Kroatien, Bosnien, Serbien, Zentralbalkan, Süd-West-Ungarn

ab 6500 v.u.Z. neolithische Expansion aus Anatolien über
Starčevo und Körös (Renfrew)
6500 v.u.Z. Erweiterung der Siedlungen in Balkanregion
6. Jt. v.u.Z. Kupferschmelzen

Haustiere (Rind, Schaf, Ziege) der Siedlungen nicht aus einheimischer Wildtierfauna domestiziert, sondern in bereits domestizierter Form aus dem Vorderen Orient eingeführt, daher keine autochthone Entwicklung (Q3)

wenige Bestattungsfunde, die aber innerhalb der Siedlungen als Einzelgräber in Hockerlagen, selten mit Beigaben (Q3)

anthropo-zoomorphe Tonfiguren, z.B.: Frauen mit langem, stabartigen Kopf-Hals-Bereich, kleinem Oberkörper, weit ausladenden Hüft- und Gesäßbereich und sehr kurzen Beinen (Q3)

aus Starčevo entwickeln sich: Vinca (Juguslawien), Dudesti und Vinca (Rumänien), älteste LBK (Transnubien)


Körös-Criș

~ 6200 - 5600 v.u.Z.
Körös: Ostungarn
Criș: Rumänien
Frühphase Körös = Hacilar VI


Haplogruppe N9a, D4a (asiatisch) bei Körös 10% (evt. aber Analysefehler) 
Die populationsgenetischen Studien der Köröskultur und der LBK belegen eine basale Ähnlichkeit beider Kulturen. Diese spiegelt sich in den vergleichbaren Frequenzen der europäischen Haplogruppen H, K und J wieder. Es kann von einer grundsätzlich genetischen Beziehung der beiden Kulturen gesprochen werden, doch ein direkter genetischer Einfluß der Köröskultur auf die LBK kann anhand vorliegender Daten nicht erkannt werden.  (Q7)

40% Jagd, Beerdigung in Hockerlage, Grabbeigaben Keramik,
- graziler, mediterraner Typ bei dem dolichocrane (cro magnon + nordoid)
Rassenmerkmale nachgewiesen wurden
Körös hatte auf Grund des flachen und wasserreichen Landes eine höherer Besiedlungsdichte und mehr Keramik als Starčevo, welches dafür mehr bemalter Keramik hatte, Körös hat dafür ungleich mehr Tonstatuetten.

Körös III weist Merkmale von Proto-Vinca auf
Ende Körös = Vinca A (4430 v.u.Z.)
, Körös wird zu Alföld-LBK 

"Die transnubische frühste Linienbandkeramik von Bicske (die heute bekannte älteste Linienbandkeramik überhaupt) hat diese Verzierungstechniken von Körös-Töpfern des umliegenden Körös-Verbreitungsgebietes kennengelernt, aller Wahrscheinlichkeit nach von den Töpfern der ungarischen Tiefebene ... Theoretisch gesehen, war eine Übernahme schon in der Zeit der 1.Phase der Köröskultur möglich, doch möchte man lieber an eine entwickelte Zeitstufe, d.h. Phase II der Körös-Entwicklung denken."


Vinca 

(Serbien, Bosnien, Albanien, Kosovo, S-Ungarn),
gegründet um 5500 v.u.Z., südl. von Belgrad,
Vinca-Kultur 5500-4100 v.u.Z.
Figurinen mit hybriden - d.h. sowohl anthropomorphen als auch zoomorphen Merkmalen wie weibliche Statuetten mit Vogelköpfen, Gefäßdeckel mit Eulenkopfgestalt.

Vinca (4500-4000 v.u.Z.)


Tisza (Theiß)

(östl Ungarn, nördl. Serbien)
auf Basis der Starcevo (Körös) um 5400 v.u.Z. - 3700 v.u.Z.,
ein- und zweistöckige Häuser, wobei die zweistöckigen als Werkstätten mit oben liegenden Lagerraum dienten.


Cardial-Impresso
 7. Jt. v.u.Z.


VI.Von Süd-Ost-Europa nach Mitteleuropa
~ 5500-5000 v.u.Z.

Um 5500 v.u.Z. europäische Binnenmigration vom Nordwesten des Schwarzen Meeres (westl. Ukraine + Teile Ungarns) nach Mitteleuropa und NO-Frankreich (> LBK). Die Schwarzmeerregion ist dabei das Ursprungsgebiet für die Entwicklung verstärkter Laktosetoleranz (Milchbekömmlichkeit)
[Heute: Anatolien 40% Milchverträglichkeit, Mittel-Europa 80%]

Die Regionalkulturen Alteuropas stammen aus der Sesklo-Kultur (Griechenland) und dem Starcevo-Körös(-Cris)-Komplex (Balkan)

mtDNA Hg. N1a mit 24% häufigste Gruppe in der LBK und Alföld LBK
und übertrifft damit mtDNA Hg. H,
mtDNA Hg. N1a kann daher als genetischer Marker der LBK angesehen werden,
heute noch 0,2% N1a (Q7)

- 5500 v.u.Z.: Donau-Balkan-Komplex -> Y-DNA Hg. I2a + R1a (Q4b)

Cris-> Tisza -> LBK bis Strichband = Notenkopfkeramik
Starcevo bis Großgartacher = Keszthely-Keramik

Kreisgrabenanlagen in Europa ab etwa 4900 v.u.Z. (Gossek 4800 v.u.Z.)
verbunden mit Theiß-Kultur (Tisza) und Lengyel-Kultur (Ostungarn) ... aus dem Gebiet der Cris-Kultur

(Q4a)

mtDNA U4 und U5 bei alteuropäischen Jägern und Sammlern, nicht aber bei LBK


Bug Dnjestr

6500-5000 v.u.Z., 
Moldawien, Ukraine, 
Einfluß durch Starcevo 5800 v.u.Z., 
dann Cucuteni 

waldneolithisch, wohl mit mtDNA U4,
-> aus Bug Dnjestr wird evt. yDNA I2a-M438
(Q4a)


La-Hoguette

5800 – 5500 v.u.Z., Mitteleuropa,
Kontakt zu Cardial- Impressokultur, Haustiere, die La-Hoguette-Gruppe geht auf die westliche Ausbreitungsroute der Landwirtschaft nach Europa zurück. Während die stärker vom Feldbau geprägte Kultur der Bandkeramiker über die Ägäis und den Balkan kam, breiteten sich die mehr auf Viehhaltung basierenden Kenntnisse der La-Hoguette-Kultur über Nordafrika und den westlichen Mittelmeerraum aus (wiki)

Laut Lüning: intensive Kontakte neolithischer Ankömmlinge im Rheingebiet mit der autochthonen La-Hoguette-Gruppe (vor LBK)

LBK 

 älteste bäuerliche Kultur der Jungsteinzeit (Neolithikum) in Mitteleuropa,
die Bandkeramik ist in Westungarn (Transdanubien), Rumänien, der Ukraine, Österreich, der Südwestslowakei, Mähren, Böhmen, Polen, Deutschland und Frankreich (Pariser Becken, Elsass und Lothringen) verbreitet und als größte Flächenkultur des Neolithikums zu betrachten,
Langhäuser 40m x 8m (wiki)

Keramik weist Ähnlichkeiten nach Starcevo auf (5500-5200 v.u.Z.), aber auch Ähnlichkeiten mit der ca. 300 Jahre früheren Cardial-Keramik des La-Hoguette-Typs (aus Süd-Frankreich) auf, was vermuten lässt, das die Cardial-Keramiker schon vor den Bandkeramikern in Mittel-Europa lebten. (Q5)

Cucuteni 

 (Rumänien)
Prä-Cucuteni 5050-4600 v.u.Z.,
Cucuteni-Kultur 4600-3500 v.u.Z., Ausbreitung bis südl. Ukraine,
stark schamatisierte Idole (ähnlich wie Kykladenidole), Spiralmotive auf Keramik

aus Cucuteni-Trypillya-Kultur (3800-3600 v.u.Z.)


Pfahlbauer

Chassey-Lagozza-Cortaillod-Gruppe (4600-2400 v.u.Z.) entwickelt wohl um 4300 v.u.Z. die Pfahlbautradition, welche dann über die Mondseekultur (3800-3300 v.u.Z.) zur Vucedol-Kultur (3000-2200 v.u.Z.) kommt.
-> entspricht der Ausbreitung Hg. I2a-M423 (Adria) und Hg. I2b-M223 (Rhein)
(Q4a)

Trypillya 

Ukraine
aus Prä-Cucuteni (und Cris-Kultur) entstehend, Mitte 5.Jt. v.u.Z. - 2700 v.u.Z.,
stilisierte Tier- und Pflanzenmotive

Lengyel 

(W-Ungarn, NW-Serbien, O-Österreich)
ab frühen 5.Jt. v.u.Z.

 Karte:
- 5000 v.u.Z.


VII.Indoeuropäisierung
~ 4500 v.u.Z.

Die Frage der Ausbreitung der indoeuropäischen Sprachen und die eventuelle Urheimat ihrer Träger beschäftigt die Wissenschaft seit längerer Zeit. Mittels archäologischer und linguistischer Ansätze entstanden diverse, sich teils widersprechende Thesen. Durch neuere genetische Ansätze zeichnen sich jedoch genauere Theorien ab.

Gräberfeld Varna (4600-4200 v.u.Z.) als Übergang zum Patriarchiat (Gimbutas)

ab 4500 v.u.Z. indogermanische Gruppen (Pferd, Speichenrad)
mit Haplogruppe R1a treten in Europa auf (Q8)

genetischer Wandel in Europa 4300-3000 v.u.Z. unterscheidet Alteuropäer von Indoeuropäern
= Ausbreitung Proto-indoeuropäischer Sprache (Q4b)

um 4000 v.u.Z. entwickeln sich die Indoeuropäer zwischen Wan-See und Zagrosgebirge aus den nicht-indoeuropäisch sprechenden Völkerschaften heraus (Dtl. ab 3600 v.u.Z.). (Q5) 

Trichterbecher-Kultur als erste Proto-Indoeuropäisch (PIE) sprechende Indoeuropäer,
mit Glockenbecher-Kultur neue Sprachstufe PIE II (Q4b)
 nach 3000 v.u.Z.: Aufspaltung der Sprachfamilien vom Proto-Indoeuropäischen (wiki)
Wechsel vom Proto-indoeuropäischen zum Indoeuropäischen
mit Auftauchen der Glockenbecher-Kultur (2600-2200 v.u.Z.) (Q4b)

um 3200 v.u.Z. wird die Tripolje-Cucuteni-Kultur, sowie Karanovo ... um 3000 v.u.Z. die Usatovo-Kultur und um 2800 v.u.Z. der Jamnaja-Horizont von den Indoeuropäern durch Ausbreitung der Schnurkeramiker (=Corted Ware), der Baden-Boleranz-Kultur und der Kugelamphoren-Kultur nach und nach indoeuropäisiert, gleichsam entstehen Hügelgräber (Q4b)
 
um 2000 v.u.Z. Indoeuropäer (Proto-Griechen, -Makedonen, -Illyrer, -Thraker) aus der indoeuropäischen gräco-balkanischen Mutterschicht, die sich mit ansässigen Neolithikern vermischten. (Q5)

die Alteuropäer starben während des Wechsels von Kupfer- zu Bronzezeit aus (Q4b)  

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- 4100 v.u.Z.: Trichterbecherkultur -> Hg. R1a + I (Q4b)
- 3100 v.u.Z.: Pfahlbaukulturen (Q4b)
- 2800/2400 v.u.Z.: Glockenbecherkultur -> Hg. R1b (Q4b)

Bronzezeit: Indoeuropäer aus pontisch-kaspischer Steppe mit Hg. R1a breiten sich nach Norden (Wald) aus und bilden R1b (Q14)

über Vucedol-Kultur (3000-2200 v.u.Z.) kommt yDNA I2a(-M438) [aus Bug Dnjestre] in die heutige Schweiz, mutiert dort über die Glockenbecher-Kultur und breitet sich über Urnenfelder-Kultur entlang dem Rhein als Hg. I2b-M223 bis England aus -> rote Haare (Q4a)
mtDNA U4/U5b vorwiegend mit Glockenbecher/Urnenfelder/Westgermanen nach England wandernd, -> rotes Haar   (Q4b)
durch Kombination mit mtDNA U5 durch die Waldkulturen N-Europas bildet sich Y-DNA I1-M235 raus -> blonde Haare (Q4a)

ABER: Die Mutationen, die blonde oder rote Haare und helle Augen bewirken, fanden um 11.000 v.u.Z. statt und wurden nicht (nur) von indogermanischen Einwanderern vermittelt (Q8)

mtDNA H4 wurde nicht vor dem späten Chalkolithikum (Corded Ware)
von Indoeuropäern nach Europa gebracht (Q14)

im Alpengebiet wurde Hg. I zu Hg. I2b (Q10b)

bronzezeitliche Zentren:
Friesland, Holland: Hg. I2
Hallstatt, N-Schweiz: Hg. R1b
(Q4b)

Bronzezeit Y-DNA:
Glockenbecherkultur und Megalithkulturen: I, I2, I2a, I2b, E-V13, G2a
Impresso-Cardial-Keramiker: I, I2, I2a, G2a, E-V13, J2b, T
Schnurkeramik: R1a, E-V13, I2, I2a2, I2b, I1, N1c1
"Alteuropäer": E-V13, J2b, I, G2a, I2a, I2a2
hellenist. Griechenland: E-V13, I, I2, I2a, G2a
Minoer: J2, E-M78, G2a, I, I2, I2a
Katakombengrab-Kultur (Comb Ceramic Pottery): N1c1
Yamna-Kultur: R1a, R1b1b2
Maykop-Kultur: R1b1b2 (G2a)
Kura-Araxes-Kultur: G2a (R1b1b)
Hatti: J2, E-M78, (R1b1b), (G2a)
Mesopotamien: J2, (E-M78), (R1b1b)
Levante: E-M78, J2, (R1b1a)
(Q14)
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Kelten (Hallstatt, La-Tene):
- 45-75 % I, R1b (euzkisch)
- < 20 % E, J (neolithische Ackerbauern)
- 10 - 45 % R1a (indoeurop. Hirten)
(Q8)

La-Tene: R1b1c10 (Q8)

Lausitzer Kultur: Hg. R1a (Q4b)

Basken: Y-DNA Hg. (Q10b)
heutige Basken: R1b und I (Q8)

Ötzi: ~ 3300-3255 v.u.Z., Hg. G2a2a-L91 (Kupferzeit) (Q4b)
Ötzi: mtDNA: Hg. K1, Y-DNA Hg. G2a4 (wiki)
 -> laktoseunverträglich


 verschiedene Hypothesen

Die vaskonische Hypothese nimmt für weite Teile Europas eine „vaskonische“ Sprachfamilie an, bevor sich die indoeuropäischen Sprachen im 3. Jt. auch in West-Europa ausbreiteten. Vom Vaskonischen sei heute zwar nur das Baskische übriggeblieben, jedoch hätten sich Spuren dieser Sprachgruppe in Gewässer- und Flurnamen Mittel- und Westeuropas erhalten. Gewässernamen (Hydronyme) gelten unter Onomasten als besonders langlebig und können viele Sprachwechsel überstehen. (wiki)

Marija Gimbutas Kurganhypothese geht von einer Invasion einer patriarchalen Kurgankultur ins matrilinear strukturierte "Alteuropa" aus. Die nomadischen Eroberer kamen ihrer Meinung nach auf Pferden reitend und in verschiedenen, aufeinander folgenden Invasionswellen von Osten her in das Areal des Dnjepr-Gebietes, die westliche Ukraine und die moldawische Steppe.Sie hätten dabei die Landwirtschaft betreibenden Kulturen unterwandert, sich als aristokratische Oberschicht etabliert und so die Indogermanisierung eingeleitet. Die Ursprünge dieser Kurgankultur seien im 7.-6. Jahrtausend v.u.Z. im Wolgaraum entstanden.

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Colin Renfrew wiederum geht in seiner Anatolien-Hypothese davon aus, dass die Entwicklung des Indogermanischen bereits vor 8.000 Jahren in Anatolien ihren Anfang nahm und sich durch die Neolithisierung nach Europa verbreitete. Im Gegensatz zu Gimburtas betont Renfrew, dass erfolgreiche Neuankömmlinge während der Kolonisierung Europas eine technisches Wissen mitgebracht haben müssen, welches dem bisherigen überlegen war und bezieht sich dabei auf die Entwicklung der Landwirtschaft.

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 Jurgen Udolph: „Anatolien war nicht Ur-Heimat der indogermanischen Stämme“
Die These der neuseeländischen Forscher Gray und Atkinson über die Herkunft unserer Sprache ist unhaltbar. Das stellt Prof. Jurgen Udolph klar. Der Onomastiker (Namenforscher) der Universität Leipzig ist der einzige Professor auf diesem Fachgebiet in Deutschland. Anhand der Verbreitung uralter Orts- und Gewässernamen hat er außerdem herausgefunden, daß die Germanen nicht aus Skandinavien kamen und die Ausbreitung der Kelten weithin überschätzt wird. (Q12)

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Harald Haarmann verortet die Urheimat der Indoeuropäer ebenfalls in den russischen Steppen und Waldsteppen, östlich bis zum Ural und Samora (Nebenfluß der Wolga) hin bis zum Dnepre, Kaukasus und dem Kaspischen Meer. Er stimmt zeitlich den "Kugan-Migrationen" Gimbutas zu, spricht dabei aber eher von einer zahlenmäßig kleineren Bevölkerungsgruppe an Nomaden, welche sich als Elite über die "alteuropäischen" Ackerbauern setzen und ihre Sprache durch Prestigedruck  und Akkulturation verbreiteten. (Q13)


Im Bezug auf Renfrew sagt Haarmann, dass das genetische Erbgut moderner Europäer überwiegend dem der paläolithischen Vorfahren entspricht und autochthon ist.
Der Pflanzenanbau ist im Wesentlichen unabhängig von migrierenden Bevölkerungsgruppen entstanden. (siehe auch Budja 2007), wobei die "neolithische Revolution" dennoch von Anatolien nach Griechenland getragen wurde. Die innereuropäische Verbreitung der Landwirtschaft wird den (Linear-)Bandkeramikern zugeschrieben (laut Haarmann wohl Nachkommen alteuropäischer Jäger und Sammler). (Q13)

Haarmann sieht, im Sinne einer indoeuropäischen Ausbreitung, das Pferd als Zugtier bereits im 5. Jahrtausend v.u.Z., im 3. Jt. v.u.Z. als Reittier für die Kriegerelite und im 2. Jt. v.u.Z. als Zugtier für den Streitwagen. Verbreitung von Rad und Wagen ab ca. 3500 v.u.Z. in der Trypillja-Region  (Q13)

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Alexander Häusler sieht eher eine autochthone Entwicklung in einem weiträumigeren Gebiet von Mitteleuropa bis zur russischen Steppe. Insbesondere an der Gleichsetzung "Pferd-Wagen-Indoeuropäer" übt sich seine Kritik. (Q11)

Der Pferdekopf (Zepter) aus Srednij-Stog stammt laut C-14-Datierung aus der Skythenzeit, somit ist eine Erst-Pferdezüchtung in Srednij-Stog nicht gegeben.
Pferdereste aus dem Gebiet der Salzmünder Kultur (3300 - 3100 v.u.Z., Elbe-Saale-Gebiet) weisen bereits Anzeichen für eine Domestikation auf, was auch für die zeitgleiche Bernburger-Kultur (Sachsen-Anhalt) gilt.
Sowohl die Salzmünder- als auch die Bernburger-Kultur sieht Häusler als autochthone Kulturen und beiden fehlen Indizien für einen Kontakt zur osteuropäischen Steppe. Die Domestikation des Pferdes erfolgt hier früher als in der nordpontischen Steppe. (Q11)

In Nordeurasien konnten vor dem 2. Jt. v.u.Z. ausschließlich zwei- und vierrädrige Ochsenkarren bzw. Wagen mit massiven Scheibenrädern nachgewiesen werden. Für Häusler ist es jedoch undenkbar, dass diese Wagen von neolithischen Pferden gezogen werden konnten. Leichter Speichenräder sind erst seit Anfang des 2. Jt. v.u.Z. zu finden.
Es ist umstritten, ob die Erfindung des Wagens mono- oder polyzentrisch erfolgte und ob Vorderasien oder Europa die Erfindung zuzuschreiben ist. (Q11)

"Die Aussage Haarmanns (1996) , die Domestikation des Pferdes sei im 6. Jt. v.u.Z. im Gebiet zwischen dontal und Kasachstan erfolgt, ... ist völlig aus der Luft gegriffen. Die Pferdeknochen von Botai sind offensichtlich Speiseabfälle (von Wildpferden)."
Ebenso ist für Häusler keine Wanderunge bzw. Bevölkerungsverschiebunge nach Westen aus dem Wolgagebiet im 4., 3. oder 2. Jt. v.u.Z. nachweisbar. (Q11)

"Die Ansicht Gimbutas, die Träger der Kugelamphorenkultur (angeblich Nomaden) und der schnurkeramischen Becherkulturen Europas (ca. 2900 - 2300 v.u.Z.) würden auf Wellen von Auswanderern aus dem nordpontischen Raum (Ockergrabkultur) beruhen, ist nicht haltbar." (Q11)

Laut N. Kalicz (1998) ist während der Endphase der Badener Kultur für die ungarische Tiefebene mit einem langandauernden Einsickern der Bevölkerung der Grubengrab-Kultur zu rechnen. (Q11)

Häusler´s Resultat: In Mittel- und Nord-Europa ist vom Mesolithikum bis zum Beginn der Bronzezeit (nördlich der Alpen ab 2300 v.u.Z.) mit einer autochthonen Bevölkerung und Kultur zu rechnen. (LBK > TBK > Schnurkeramik).

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VIII.Von Mitteleuropa nach Nordeuropa
~ 5000-2500 v.u.Z.


Von Bandkeramikern und Ertebölle zur Trichterbecherkultur

Die Ackerbau betreibenden Träger der Bandkeramik folgten bei ihrer Ausbreitung seit Anfang des 6. Jahrtausends v.u.Z. den Flußläufen auf- und abwärts. Dabei drangen sie innerhalb der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte westlich am Rhein und an der Seine, östlich am Pruth und am Dnjepr, nördlich an Elbe, Oder und Weichsel vor.
Im Norden (Nord- und Ostseeküste) kamen die Bandkeramiker mit den Hochsee befahrenden Ertebölle-Leuten in Kontakt. Es handelte sich dabei um "meereserfahrene Jäger und Fischer", gut versorgt mit Lebensmitteln und in große, sesshafte Gruppen unter gegliedert, "mit komplexer sozialer Organisation".
Die Ertebölle-Kultur bestand ungefähr pareallel zur Bandkeramik und ist etwa für den Zeitraum von 5300 bvis 4300 v.u.Z. anzusetzen.
In der Spätzeit, durch Einführung von Rind und Pflug wurden die Bandkeramiker produktiver. Der relative Reichtum lockte die auf See- und Flussschifffahrt spezialisierten kriegerischen Jäger der Ertebölle-Kultur an. Sie überfielen, so ist anzunehmen, die nach bandkeramischer Tradition zunächst noch ungeschützen Siedlungen der Bauern und schleppten fort, was sie für wertvoll hielten und transportieren konnten.
Den vorrauszusetzenden Raubzügen und ihrer Abwehr folgten Überschichtungen und Verschmelzung. Das Ergebnis war eine neue, die Trichterbecherkultur (TBK), die ein ungewöhnlich dichtes Netz des Austausches von Gütern und Informationen aufwies und die für mehr als ein Jahrtausend existieren sollte und zur "Keimzelle" der Indogermanen wurde.




IX.Haplogruppen

Evolutionsbaum Haplogruppen Mitochondriale DNA
(mtDNA)


L0 L1 L2 L3
L4 L5 L6

M N
CZ D E G Q
A S
R
I W X Y
C Z B F R0
prä-JT P  U
HV JT K
H V J T
 (wiki)

mitochondriale (= mtDNA) "Eva" -> Hg. L1, Hg. L0 (Ostafrika)
daraus wird mtDNA Hg. L2 (Westafrika)
daraus wird mtDNA Hg. L3 (Nordafrika vor 80.000 Jahren, verlässt Afrika)
aus mtDNA Hg. L3 wird mtDNA Hg. N (Koexistenz mit Neandertalern)
aus mtDNA Hg. N wird mtDNA Hg. R 
aus mtDNA Hg. R wird mtDNA Hg. K (vor 50.000 Jahren) (Q9)


Hg. L1 (Ursprung vor 107.600 bis 174.300 Jahren, südliches Afrika)
Hg. L3 (Ursprung vor 84.000 bis 104.000 Jahren in Ostafrika)
Hg. M (Ursprung vor 60.000 Jahren in Asien oder Afrika)
Hg. N (Ursprung vor 71.000 Jahren in Asien oder Ostafrika)
Hg. D (Ursprung vor 60.000 Jahren in Asien)
Hg. E (Ursprung vermutlich vor 30.000 Jahren in Indonesien, Taiwan)
Hg. G (Ursprung in Ostasien)
Hg. A (Ursprung vor 50.000 Jahren in Asien)
Hg. R (Ursprung vor 66.000 Jahren in Süd- oder Südwestasien)
Hg. I (Ursprung vor ca. 26.300 Jahren)
Hg. X (Ursprung vor 30.000 Jahren in Asien)
Hg. C (Ursprung  vor 60.000 Jahren in Zentralasien)
Hg. B (Ursprung vor vor 50.000 Jahren in Asien)
Hg. F (Ursprung vor 43.300 Jahren in Asien)
Hg. U (Ursprung vor 55.000 Jahren im westlichen Asien)
Hg. K (Ursprung vor 22.000 bis 40.400 Jahren in Norditalien)
Hg. H (Ursprung vor 25.000-30.000 Jahren in Südwestasien, Mittlerer Osten)
Hg. V (Ursprung vor 12.000 Jahren im westlichen Eurasien)
Hg. J (Ursprung vor 45.000 Jahren in Westasien)
(wiki)


Evolutionsbaum Haplogruppen Y-chromosomale DNA (Y-DNA)




A0
A1

BT

B
CT

CF
DE

C
F
D E

G H
IJK

IJ K

I J
LT
MNOPS

L T
M NO P S

N O
Q R
(wiki)


Hg. A0 (Afrika)
 Hg. B vor 65.000-60.000 Jahren

 Hg. C (Asien vor 60.000 Jahren)
Hg. F (Süd- oder Südwestasien vor 45.000 Jahren)
Hg. D (Asien vor 50.000-60.000 Jahren)
Hg. E (Ostafrika oder Asien vor 50.000-55.000 Jahren)

> Hg.´s E1 (P147), E2 (M75),
> Subgruppen  E1b1a (M2) und E1b1b (M35)
das α-Cluster ist Europa zugeordnet, im Balkan am häufigsten
Hg. G (Ursprung vor 14.000-30.000 Jahren im Kaukasus)
Hg. H (Ursprung vor 25.000-45.000 Jahren in Südasien)
Hg. I (Ursprung vor 25.000-30.000 Jahren in Europa)
Hg. J (Ursprung vor 25.000 bis 30.000 Jahren auf Arabischer Halbinsel)
 Hg. K (Ursprung vor 47.000 Jahren in Süd- oder Westasien)
Hg. L (Ursprung vor 25.000 bis 30.000 Jahren in Iran/Irak oder Zentralasien)
Hg. T (Ursprung vor 19.000 bis 34.000 Jahren in Westasien)
Hg. M (Ursprung vor 10.000 bis 30.000 Jahren in Südostasien)
Hg. N (ugrische Völker, vor 15.000 bis 25.000 Jahren)
Hg. O (Ursprung vor 28.000 bis 41.000 Jahren in Südost- oder Ostasien)
Hg. P (Ursprung vor 27.000 bis 41.000 Jahren in Zentralasien)
Hg. Q (Ursprung vor 17.000 bis 22.000 Jahren in Zentralasien)
Hg. R (Ursprung vor 26.800 - 34.400 Jahren in Zentral- oder Südasien oder Europa)
Hg. S (Ursprung vor 25.000 bis 30.000 Jahren in Südostasien, Ozeanien)
(wiki)


X.Quellen

Q1: "Karanovo Bd. III - Beiträge zum Neolithikum in Südosteuropa" - Stefan Hiller, Vassil Nikolov
Q2: "Das Rätsel der Donauzivilisation" - Harald Haarmann
Q5: "Die neolithische Wiege der abendländischen Kultur in Bulgarien" - Hanswilhelm Haefs
Q6: "Orient und Okzident" - Ausstellungskatalog Prähistorische Staatssammlung München 
Q7: "Populationsgenetik der ersten Bauern Mitteleuropas" - Wolfgang Haak, 2006 > pdf
Q8: http://www.interfaze.ch/Genetik-Archeo.html
Q9: http://www.landesmuseum.at/mpdh/reports/K_is_your_haplogroup.php?nummer=DEMOREPORT
Q10a. http://decordoba.blog.de/2012/08/30/y-haplogruppen-europa-14627416/
Q10b: http://decordoba.blog.de/2011/09/07/alteuropaeer-haplogruppe-i1-11797413/  
Q10c: http://decordoba.blog.de/2013/09/22/alteuropaeer-16433669/ 
Q10d: http://decordoba.blog.de/2011/08/29/nordafrikaner-e1b1b-11742773/
Q11: http://www.uni-leipzig.de/~diffint/index.php/diffint/article/view/36/23 
Q12: http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Anatolien-war-nicht-Ur-Heimat-der-indogermanischen-Staemme/20040313
Q13: "Die Indoeuropäer - Herkunft, Sprachen, Kulturen" - Harald Haarmann  (C.H. Beck Wissen) 
Q14: http://www.eupedia.com/europe/origins_haplogroups_europe.shtml
Q15: "Warum die Menschen sesshaft wurden." - Josef H. Reichholf
Q16:  http://www.plosbiology.org/article/info:doi/10.1371/journal.pbio.1000285#s3
Q17: http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/forscher-entraetseln-die-bevoelkerungsentwicklung-europas-in-der-jungsteinzeit-27430/