Anfänge von Religion - Teil 1

Früher Begräbnis- und Totenkult


Im Mosterian, im Mittelpaläolithikum fanden bei den Neandertalern die ersten uns bekannten Bestattungen statt. Häufig in lockerer seitlicher Schlafstellung und mit vielen Kindesbestatungen.
Gerade der Nachwuchs war den Neandertalern (überlebens-)wichtig, dementsprechend wurden die verstorbenen Nachkömmlinge sorgfältig bestattet. Archäologisch gilt dies als erste nachvollziehbare Auseinandersetzung mit dem Tod.

Im Pavlovien dann (immer noch Steinzeit), fanden Einzel- und Mehrfachbestattungen statt, teils mit Beigaben wie Skulpturen. Zum Beispiel fand man eine Frau, die mit zwei Mammutschulterblättern abgedeckt wurden war.

Um 20.000 v.u.Z. fand sich dann (in der Nähe des heutigen Moskaus) ein Kinderdoppelgrab (Kopf an Kopf) und in einem Erwachsenengrab, in dem sich Hunderte geschnitzte Elfenbeinperlen an fast allen Nähten der Lederkleidung befanden.

In der Höhle Lauscaux, in einem Schacht, der (auch?) heute noch häufig mit giftigem Kohlendioxid aufgefüllt ist (weswegen man nur kurz rein kann) befindet sich die isolierte Darstellung eines sterbenden, vogelköpfigen Mannes mit eregiertem Penis (wohl als Zeichen für einen gewaltsamen Tod) und einem, durch einen Wurfspeer wohl tödlich verwundeten Bison. Dies ist erste bekannte Darstellung des Todes, bzw. eines Sterbenden und stammt aus der Zeit um 20.000 - 15.000 v.u.Z.

Ein markanter Wesenszug des gesamten Neolithikums, vorallem im Alten Orient, ist der „Schädelkult“, bei dem die Köpfe der Verstorbenen eine Zeit lang separat von den schon begrabenen Körpern aufbewahrt wurden, wobei aber der Kopf erst nach vollständiger Verwesung abgetrennt wurde.
Ersten Hinweise auf die nachträgliche Entnahme des Kopfes aus einem Grab finden sich im Vorderen Orient bereits um 60.000 v.u.Z. bei einem Neanderthalerskelett aus der Kebaran-Höhle (Israel). In den Gräbern des levantinischen Natufiens (12.000 – 10.000 v.u.Z.) häufen sich dann die Exhumierungen von Totenschädeln. Zudem kam die Sitte auf, die Schädel mit einer Masse aus Lehm und Gips zu überformen, um damit die Gesichtszüge nachzubilden. Eingesetzte Muschelaugen und farbige Haarwiedergabe verliehen den Köpfen dann eine gewisse Lebendigkeit. Nach einer gewissen Zeit wurden die Köpfe dann wieder unter den Fußböden der Wohnhäuser beigesetzt.
Eine Ausnahme stellt das „Schädelgebäude“ in Cayónú dar, in dem die Skelettreste von mind. 400 Personen gestapelt waren (ähnlich wie in einem mittelalterlichen, europäischen „Beinhaus“).
Gegen Ende des keramischen Neolithikums wurde der Schädelkult aufgegeben und man ging dazu über, die Toten vollständig in Hockerlage, häufig außerhalb der Siedlungen beizusetzen.

In Europa (z.B. LBK / Neolithikum) drehen sich dann, die in rechter oder linker seitlicher Hockerhaltung begrabenen Menschen, rund um die Himmelsrichtungen in ihrer Kopf-Fuß-Orientierung, häufig aber mit dem Kopf zum Sonnenaufgang hin (z.B. in Richtung Süd-Ost).
Häufig finden sich die Toten in den Abfallgruben der neolithischen Siedlungen, dennoch aber in Hockerhaltung und gleichmäßig nach bestimmten Himmelsrichtungen ausgerichtet, was zeigt, dass die Toten nicht einfach nur im "Abfall" landeten (z.B. Körös-Kultur)

In der großen Ofnethöhle (Nördlinger Ries, Dtl.) fanden Archäologen ein "Schädelnest" mit 34 Menschenschädeln in zwei Gruben aufgeteilt, welches auf 7700 v.u.Z. datiert wurde. Die Toten blickten alle exakt zum Höhlenausgang (Richtung Westen) und bestanden vorrangig aus Kinder- und Frauenköpfen. Die Grubenböden waren mit Rötel bestreut und unter Tausenden von Beigaben fanden sich u.a. 215 Hirschzähne und 4250 Schmuckschneckengehäuse, die alle durchbohrt waren.

Auch in Herxheim (Südpfalz) fand sich in Form eines eliptischen Grabens um die Siedlung der Bandkeramiker (um 5000 v.u.Z.) das Zentrum eines Totenkultes, in dem Knochen über 50 Jahre hinweg gesammelt. Die Knochen wurden aus Böhmen, dem Elbe-Saale-Gebiet, der Schwäbischen Alb, Belgien und in einem Fall sogar aus dem Pariser Becken heran gebracht. Die Beigaben (Keramik, Nadeln, Klingen) wurden meistens zerstört und die Schädel und Gebeine der Toten zerschlagen.

In der Grotta Scaloria in Süditalien fanden sich 136 neolithische Gräber von ausschließlich jungen Frauen zwischen 20-22, die bei der Geburt ihres Kindes starben. In vielen Fällen wurden die ebenfalls verstorbenen Säuglinge mit begraben. Die Schädel wiederrum wurden vom Körper getrennt und die Beigaben ebenfalls zerschlagen.

Darüber hinaus schienen die neolithischen Bauern Angst vor "Wiedergängern" gehabt zu haben. Häufig wurden die Leichname unbeweglich gemacht, in dem ihnen die Gliedmaßen abgetreennt wurden, die Arme auf den Rücken gefesselt wurden oder man die Toten mit Steinen beschwerte.

Einmalig indess erscheint eine Bestattung in Ippsheim (Würzburg), bei der ein einzelner Toter um 4600 v.u.Z. mittig im Zentrum von drei umlaufenden Kreisgräben, kopfüber in den Boden versenkt wurde.

In Ban Po Cun (China) wurden im 6. Jahrtausend v.u.Z. erwachsene Tote mit unterschiedlichen, differenziertes soziales Prestige anzeigenden, beigaben außerhalb des Dorfgrabens beigesetzt. Die verstorbenen Kinder jedoch wurden in Gefäßen nahe der Häuser bestattet.

Die soziale Differnzierung findet sich sowohl im chalkolithischen Europa (um 2000 v.u.Z.) beim sogenannten "Fürstengrab" von Leubingen (Erzgebirge), aber auch schon im vordynastischen Ägypten um 4000 v.u.Z..

Ockerbestreuung war zudem noch häufig, sogar bis Australien verbreitet, teilweise dann (ab Bronze-/Eisenzeit häufiger) auch die Brandbestattung.

Das Begraben, vorallem in vor-sesshafter Zeit deutet auf erdachte Nachtod-Geschehnisse hin, denn häufig wurden Speisen mit gegeben. Auch in sesshafter Zeit, wo man Hygiene als Begräbnissgründe anführen könnte, zeigen dennoch die Beigaben oder auch die nicht zufällige Ausrichtung und Lage der Toten einen Bezug zu Vorstellungen über ein "Dannach" an.

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Quellen:
Dirk Husemann: Tod im Neandertal. Akte Ötzi. Tatort Troja.
Hansjürgen Müller-Beck: Die Steinzeit: Der Weg der Menschen in die Geschichte
Jürgen Bär: Frühe Hochkulturen an Euphrat und Tigris

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